Sport : Frauen sind auch nur Männer

Auch Englands Nationalspielerinnen können’s nicht besser: Nach Elfmeterschießen unterliegen sie Frankreich, das ins WM-Halbfinale einzieht

von

Vergleiche im Fußball zwischen Frauen und Männern sind natürlich völlig inakzeptabel, aber was England betrifft, kommt man an einer Parallele nicht vorbei: Elfmeterschießen können sie beide nicht. Englands Nationalspielerinnen durften am Samstag in Leverkusen bis zur 88. Minute vom Halbfinale träumen. Dann traf Frankreich noch zum 1:1-Ausgleich, und nach torloser Verlängerung kam, was kommen musste, wenn England zum Entscheidungsschießen antritt. Der Gegner gewinnt. 4:3 hieß es im Shootout für die die Französinnen, die zum ersten Mal in einem WM-Halbfinale stehen.

Am Mittwoch geht es in Mönchengladbach gegen den Sieger der Partie zwischen Brasilien und den USA. Wer es denn sein wird, ist Bruno Bini ziemlich egal. „Brasilien oder USA - wenn man mir sagt, ihr müsst gegen den Mond spielen, dann spielen wir eben gegen den Mond“, sagte der französische Trainer.

Seine englische Kollegin Hope Powell verneigte sich zu einem Kompliment an Frankreich: „wir haben es gerade so geschafft, uns über die Zeit zu retten, die Mädchen haben alles gegeben, ich bin sehr stolz auf sie.“

Doch bei aller Tragik für das späte und finale Scheitern der Engländerinnen – dieses Spiel hatte die richtigen Siegerinnen gefunden. „Jeder hat gesehen, dass wir bis zum Schluss an den Sieg geglaubt haben“, sagte die überragende Französin Camille Abily. Die Französinnen spielten leichter, schöner und angriffsfreudiger. In diesem Sinne gestaltete Frankreich das Viertelfinale als aktive Therapie zur Verarbeitung der Niederlage gegen Deutschland, verlagerte das Spiel mit jeder Minute ein Stück weiter in die englische Hälfte hinein.

Als kurz vor der Halbzeit die Französin Laure Lepailleur verletzungsbedingt behandelt werden musste, nutzten die Engländerinnen die zu einer improvisierten Lagebesprechung der gesamten Mannschaft vor dem eigenen Strafraum. Was immer sie dabei und später in der Halbzeitpause besprochen haben, es zeitigte einen leichten Aufwärtstrend. Erst setzte Jill Scott einen Kopfball über das Tor, dann versuchte sie es mit dem Fuß, und schon stand es 1:0. Ihr Schuss nach einer Stunde war weder platziert noch hart, aber gut genug für die unsichere Celine Deville, die viel zu weit vor dem Tor stand.

Frankreich stürmte weiter, einen Kopfball von Laure Lepailleur wischte Englands Stürmerin Ellen White von der Torlinie. Nichts schien zu gehen, bis Elise Bussaglia zwei Minuten vor Schluss noch mit einem Billardstoß an den linken Innenpfosten zum Ausgleich traf.

Wie viel Kraft dieses stete Anrennen gekostet hatte, war in der Verlängerung zu sehen. Schwere Beine lähmten den französischen Esprit und die englische Athletik. Ellen White schoss ans Außennetz, Eugenie Le Sommer köpfte über das Tor. Im Elfmeterschießen hielt Karen Bardsley den ersten Versuch von Camille Abily, aber die folgenden vier Französinnen trafen, und den letzten beiden Engländerinnen versagten die Nerven. Claire Rafferty schoss vorbei, den letzten Elfmeter setzte Faye White an die Latte. England war draußen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar