Sport : Frauen sind so

Weibliche Fans streiten über www.herthafreundin.de

Dagny Lüdemann

Berlin - Jetzt ist sie online, die neue Fanseite von Hertha BSC – speziell für Frauen. Ein blondes Zeichentrickmädchen im blauweißen Minikleid – mit Stutzen und Stollenschuhen und dem Hertha-Schriftzug am Hintern – sitzt auf einem Fußball. Sie ist das Logo der neuen Internetseite, auf der es Hautpflegetipps für 90 Minuten Kälte im Stadion gibt, Kochtipps von Herthas Abwehrspieler Sofian Chahed und Oben-Ohne-Fotos von Kevin-Prince Boateng – muskelbepackt beim Fitnesstraining. Talkshowmoderatorin Vera Int-Veen, bekannt aus „Vera am Mittag“, erklärt hier die Abseitsregel anhand eines Beispiels aus dem Alltag: dem Schuhkauf. Das ist es doch, was Frauen wollen, oder?

„Ich war erst einmal geschockt, als ich das gesehen habe. Dann musste ich lachen“, sagt Nicole Selmer, Borussia-Dortmund-Fan und Mitbegründerin des Frauen-Fan-Netzwerks „Fin“. „Auf der neuen Hertha-Seite werden uralte Klischees bedient und es wird suggeriert, dass Frauen ein bisschen blöd sind und sich nur für Mode und Kosmetik interessieren“, sagt Selmer. „Dabei wollen weibliche Fans in erster Linie etwas über Fußball wissen.“

Überrascht, „dass so etwas in diesem Jahrhundert noch möglich ist“, zeigt sich auch Matthias Bettag, Sprecher des Bündnisses aktiver Fußballfans (Baff). Er hält den Inhalt für „chauvinistisch“ und „sexistisch“. Diese Seite „lässt den Umkehrschluss zu, dass die normalen Fanseiten für Frauen nicht geeignet sind“, sagte er dem Tagesspiegel. Er ist, genau wie Nicole Selmer, vor allem deshalb verwundert, „weil Hertha ja in letzter Zeit sehr positiv und fortschrittlich mit Themen wie Rassismus und Diskriminierung umgegangen ist“. Den guten Willen wollen die Kritiker den Machern der neuen Hertha-Seite aber nicht absprechen: „Gut finde ich zum Beispiel die Berichte über Frauen, die bei Hertha arbeiten“, sagte Nicole Selmer. Diese könnten ihrer Ansicht nach allerdings genauso gut auf der normalen Herthaseite stehen. Die Umsetzung der Idee sei aber absolut misslungen.

Um so erstaunlicher, dass der Inhalt „ausschließlich von den Mädchen aus unserer Geschäftsstelle“ zusammengestellt wurde, wie Hertha-Pressesprecher Hans-Georg Felder betont. Auch Robert Burkhardt, der die Zusammenstellung der Texte auf der Seite koordiniert, wundert sich über die Kritik: „Es spiegelt ja nicht die Sicht von uns Männern wider, sondern ist von unseren Mitarbeiterinnen gemacht.“

In der Tat stammen alle Artikel und Themenvorschläge „von einer Gruppe aus knapp 10 Mitarbeiterinnen“, sagt Hertha-Sprecherin Magdalena Palewicz. Vielleicht liegt das Missverständnis einfach in der Definition der Zielgruppe: „Wir wollen Mädchen ab 12 Jahre ansprechen – also diejenigen, die hier jede Woche beim Training am Zaun stehen und den Spielern zujubeln“, erklärt Palewicz. Eigentlich ist die neue Seite also für Groupies gedacht, die statt Bill von „Tokio Hotel“ Kevin-Prince Boateng von Hertha anhimmeln. Diese Erkenntnis dürfte auch die Kritiker beruhigen. „Ich denke, erwachsene Frauen werden die Seite einfach belächeln und ignorieren und auf der normalen Hertha-Seite ihre Informationen beziehen“, sagte Selmer.

Einer ist jedenfalls rundum überzeugt von dem neuen Konzept. Vereinsmanager Dieter Hoeneß sagte bei der Präsentation der Webseite am Donnerstag: „Wenn ich eine Frau wäre, würde ich mich sehr angesprochen fühlen.“

Weitere Internetseiten für Fans:

www.herthabsc.de

www.frauenundfussball.de

www.aktive-fans.de

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