Frauen-U20-WM : Südafrika in Bochum

Schweinsteiger und Özil waren gestern, nun rollt der Ball bei der U-20-WM der Frauen in Deutschland. Sie soll Lust machen auf die WM 2011.

Helen Ruwald
Gruppenbild mit Katze. WM-Gäste Steffi Jones, Karla Kick, Franz Beckenbauer.
Gruppenbild mit Katze. WM-Gäste Steffi Jones, Karla Kick, Franz Beckenbauer.Foto: dpa

Keine 37 Stunden nachdem Andres Iniesta Spanien mit einem Schuss ins linke untere Eck in Johannesburg zum Weltmeister gemacht hatte, fiel der nächste Treffer in einem WM-Spiel: Svenja Huth vom 1. FFC Frankfurt gelang beim Eröffnungsspiel der U-20-WM gestern Mittag nach zwei Minuten mit einem Abstaubertor das 1:0 gegen Costa Rica. Vor 22 995 Fans im ausverkauften Bochumer Ruhrstadion, hauptsächlich Schulkindern, siegte Deutschland 4:2 (2:1).

DFB-Präsident Theo Zwanziger saß ebenso auf der Tribüne wie Franz Beckenbauer. „Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich als Bayer einmal in Bochum stehe und die U-20-WM der Frauen eröffne. Aber ich war schon vor zwei Jahren in Chile dabei. Da war ich total beeindruckt“, sagte Beckenbauer der Deutschen Presse-Agentur. Die Stimmung aus Südafrika wünschen er und die Veranstalter sich für die Nachwuchs-WM. „Wir wollen die Euphorie aus Südafrika mitnehmen und die Leute mit attraktivem Fußball begeistern“, sagte die deutsche Trainerin Maren Meinert vor dem Turnier. Die U-20-WM ist für die Frauen, was der Confed-Cup für die Männer ist: Der Probelauf für die Weltmeisterschaft vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 in Deutschland. „Die U-20-WM ist auf dem Weg zu 2011 ein Meilenstein“, sagt Ulrike Brade vom WM-Organisationkomitee. „1000 der dann 4000 Volunteers aus aller Welt sind jetzt schon dabei.“

Das Turnier soll den Deutschen nach vier Wochen, in denen nur der Männerfußball zählte, ins Gedächtnis rufen, dass nicht nur Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller begeisternd Fußball spielen können, sondern auch junge Frauen wie Alexandra Popp und Kim Kulig. Sie laufen für Meinerts Mannschaft auf, gehören aber auch bereits zum A-Nationalteam, das in einem Jahr seinen WM-Titel erfolgreich verteidigen will. „Anfang 2008 wussten neun bis elf Prozent der Befragten in Deutschland von der WM 2011, inzwischen sind es rund 60 Prozent“, sagt Ulrike Brade. Seit dem Anlaufen der riesigen Werbe-Maschinerie vor zweieinhalb Jahren hat Steffi Jones, Ex-Nationalspielerin, OK-Chefin und Gesicht der WM 2011, an rund 700 WM-Veranstaltungen teilgenommen und auf fünf Kontinenten für die Weltmeisterschaft geworben. Zahlreiche Prominente machen sich stark für 2011: Von Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner über Sängerin Nena bis hin zu den Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Ulrike Folkerts. Die ehemaligen Nationalspielerinnen Renate Lingor, Sandra Smisek und Britta Carlson betreiben als WM-Botschafterinnen Grassroots-Arbeit, kicken nicht nur an den Spielorten in Schulen mit den Kindern und sammeln quasi jeden potentiellen Fan einzeln ein.

2001 schlugen die Deutschen mit Jones, Lingor und Smisek vor 18 000 Zuschauern im Finale von Ulm Schweden nach Verlängerung 1:0. Damals eine große Sache, doch die Ansprüche sind um ein vielfaches gewachsen: Ziel ist ein mit rund 74 000 Zuschauern ausverkauftes Berliner Olympiastadion beim WM-Eröffnungsspiel mit dem Team um Birgit Prinz. Der Einzelkartenverkauf, auch für das Endspiel, beginnt am 15. September. Bislang wurden schon mehr als 250 000 Tickets verkauft, dabei handelt es sich ausschließlich um Städte-Serien und Gruppentickets für die als Familien-Event konzipierte WM. Am 29. November werden die WM-Gruppen ausgelost – das ZDF überträgt live, so wie es bei Turnieren der Männer längst gang und gäbe ist. Sechs Nationale Förderer, darunter Deutsche Post und Deutsche Bahn, decken mit ihrem Beitrag von jeweils vier Millionen Euro fast die Hälfte des Budgets von 51 Millionen Euro ab. Dass bereits 16 Monate vor dem Anpfiff der letzte der Förderer seine Zusage gab, zeigt das gestiegene Interesse am Frauenfußball auch auf Sponsorenseite.

Neben einer wirtschaftlich und sportlich erfolgreichen WM geht es den Veranstaltern um einen Schub für den Frauenfußball und um die Integration von Mädchen nichtdeutscher Herkunft in Teams. Mehr als 14 000 deutsche Schulen und Vereine beteiligen sich bislang an der Team-2011-Kampagne. Der Aufbau von Mädchenfußball-Arbeitsgemeinschaften gehört ebenso dazu wie die Schulung von mehr als 20 000 Grundschullehrerinnen. Es ist die größte Kampagne in der 110-jährigen Geschichte des DFB.

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