Frauen-WM : Verfolgt von Fritz Walter

Der einstigen Weltfußballerin Birgit Prinz droht die baldige Ablösung. Vor allem Alexandra Popp macht ihr ordentlich Druck

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Haltung bewahren. Birgit Prinz (l.), hier im Zweikampf mit Norwegens Trine Rönning, trotzt derzeit noch der Konkurrenz von der deutschen Bank. Foto: dpa
Haltung bewahren. Birgit Prinz (l.), hier im Zweikampf mit Norwegens Trine Rönning, trotzt derzeit noch der Konkurrenz von der...Foto: dpa

Vielleicht hat Birgit Prinz ja am Freitag Zeitung gelesen. Michael Ballack wird von Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr berücksichtigt, titelten die Sportseiten der Republik. Seitenlange Abgesänge auf einen großen deutschen Fußballer waren da zu lesen, ein trauriges, unwürdiges Ende seiner Karriere. Vielleicht hat Birgit Prinz dabei ein mulmiges Gefühl bekommen. Denn auch ihre Ablösung ist längst eingeleitet. Allerdings viel früher als erwartet. Denn schon bei der in acht Tagen beginnenden WM vor heimischem Publikum droht die Frau, die so ziemlich jeden Rekord im Frauenfußball hält, keine entscheidende Rolle in der deutschen Nationalmannschaft mehr zu spielen.

Keinem der knapp 14 000 Zuschauer im Mainzer Stadion kann das am Donnerstag entgangen sein. Als das deutsche Team Norwegen im letzten Testspiel mit 3:0 besiegte, hatte Birgit Prinz daran kaum einen Anteil. Begleitet vom lautesten Applaus lief die Rekordnationalspielerin vor dem Anpfiff auf den Platz. Knapp zwei Stunden später aber wurde auf dem durchnässten Rasen erneut eine andere Spielerin erneut gefeiert: Alexandra Popp. Wieder hatte die 20-Jährige zwei Tore geschossen, insgesamt waren es fünf in vier Spielen der WM-Vorbereitung. Prinz, die WM-Rekordtorschützin, hat in diesem Jahr überhaupt noch nicht getroffen. Doch das ist gar nicht so sehr das Problem.

Kaum Ballkontakte hatte die 33-Jährige, die Pässe kamen nicht an, die Zweikämpfe gingen verloren. Lediglich ein Schüsschen aufs Tor gelang ihr kurz vor der Halbzeit, bevor Bundestrainerin Silvia Neid sie wie geplant auswechselte. Es kam Alexandra Popp – und mit ihr wurde es ein anderes Spiel. Sie warf sich in die Zweikämpfe, schnell, wuchtig und durchsetzungsstark. Popp springt höher als die meisten Frauen, hat keine Angst vorm Kopfball. Mit ihr lief das deutsche Spiel plötzlich wie von allein.

Das war sonst immer die Rolle von Birgit Prinz. Sie war diejenige, die ein Spiel allein entscheiden konnte. Ähnlich wie Michael Ballack. Mit dem Unterschied, dass Prinz sie gewonnen hat, all die großen Titel, die Ballack fehlen. Zwei WM- und fünf EM-Titel hat die dreimalige Weltfußballerin gewonnen. Ein Tor bei der WM, es wäre ihr 129., würde reichen und sie wäre die erste Frau, die bei fünf WM-Teilnahmen jeweils mindestens einmal traf. Nur die olympische Goldmedaille fehlt ihr noch. Die könnte der Grund sein, noch ein weiteres Jahr zu spielen. Und vielleicht den rechtzeitigen Abgang zu verpassen.

Natürlich war der Vergleich an diesem Abend in Mainz nicht ganz fair. Und das hat nichts damit zu tun, dass Alexandra Popp gerade mal drei Jahre alt war, als Birgit Prinz 1994 im Nationalteam debütierte. Prinz litt an den Folgen einer leichten Bänderdehnung, wirkte ein wenig gehemmt, als wolle sie keinesfalls diese, ihre letzte WM aufs Spiel setzten. „Man hat ihr angemerkt, dass sie ein bisschen Schmerzen hatte“, sagte Silvia Neid. „Sie war etwas zögerlich und zurückhaltend.“ Am Dienstag, wenn sich die Mannschaft nach vier Tagen Pause in Berlin trifft, werde man sich das noch einmal anschauen.

Ohne Zweifel wird Prinz spielen. Das ist eine Frage des Respekts und damit nimmt es die Bundestrainerin sehr ernst. Neid wird ihre ehemalige Mitspielerin nicht derart bloßstellen. Die Spielerinnen des Turniers aber werden wohl andere werden. Popp, aber auch Celia Okoyino da Mbabi und Kim Kulig, vielleicht Fatmire Bajramaj. Sie entstauben gerade das glanzlose Image des Frauenfußballs, das auch damit zusammenhing, dass sein größter Star keine Lust aufs Starsein hat. Das ist das gute Recht von Birgit Prinz. Zur Heim- WM aber hätten Menschen und Medien gern etwas mehr – und das liefert vor allem der Nachwuchs. Popp plauderte nach ihrem fulminanten Auftritt gegen Norwegen davon, dass ihr Tritt auf den Ball mit anschließender Verletzungspause „ein bisschen uncool“ war und dass ihr der Platzregen gar nichts ausgemacht habe, da sei sie „mehr der Fritz-Walter-Typ“.

Ihre Quote von neun Toren aus zwölf Länderspielen geht eher in Richtung Gerd Müller. Trotzdem sieht Neid sie weiterhin nur als Joker, was Popp ganz gut gefällt und Prinz etwas Ruhe verschafft. Bei einer WM herrschen eigene Gesetze, da könnte Prinz mit ihrer Erfahrung aus 210 Länderspielen trotz allem wieder wichtig werden. Das Beispiel Ballack aber sollte sie im Kopf behalten. Es wäre schade, wenn noch eine große deutsche Fußballkarriere ein solch trauriges Ende nähme.

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