Frauen-WM : Von Kaiserinnen und einer Kanzlerin

Nach einer kurzen Eröffnungsfeier tasten sich die 73 680 Zuschauer im Berliner Olympiastadion langsam an die Frauenfußball-WM heran. Kanzlerin Angela Merkel ist in Sachen Emotionen schon ganz vorne dabei.

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Wenn die deutschen Frauen weiter so guten Fußball spielen, wie am 26. Juni 2011 gegen Kanada (2:1), werden diese Bilder regelmäßig erscheinen.Weitere Bilder anzeigen
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27.06.2011 10:53Wenn die deutschen Frauen weiter so guten Fußball spielen, wie am 26. Juni 2011 gegen Kanada (2:1), werden diese Bilder regelmäßig...

Eine große Weltkugel, die sich zum Spiegel schält und kleine Fußball-Luftballons spuckt; 2000 Berliner Schüler, die in weißen Anzügen wahlweise als Quadrate oder Pfeile über den Rasen tanzen, während auf der Laufbahn des Berliner Olympiastadions jeweils eine Gruppe mit Fähnchen und Puscheln ausgestattet eines der 16 Teilnehmerländer präsentiert; ein bisschen Feuerwerk, das war’s.

Kurz und knackig war die Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2011, genau wie Organisationschefin Steffi Jones es versprochen hatte. Nach elf Minuten verabschiedete sich die tanzende Meute in Richtung Marathontor – nur die kleinen Ballons erinnerten noch vierzig Minuten später unter dem südlichen Stadiondach an die schlanke Feier.

Da hatte Kerstin Garefrekes die deutsche Mannschaft bereits in Führung gebracht und es kam zum ersten Mal große Stimmung auf. Die 73 680 Zuschauer blieben lange vergnügt auf ihren Plätzen sitzen, die Welle drehte mehrfach ihre Runden, Fangesänge aber verhallten schnell wieder. Es war ein wenig, als wüssten die Zuschauer nicht so recht, was sie nun mit dieser europäischen Rekordkulisse anfangen sollten. Erst nach dem 2:0 flammte kurz ein „Oh wie ist das schön auf“.

Die Vuvuzelas, die verkleidete Deutschlandfans im völlig verstopften Berliner Nahverkehr ins Stadion getragen hatten, verhallten im weiten Berliner Rund. Für die Spielerinnen aber war es dennoch ungewohnt laut. „Wir haben uns gar nicht gehört“, erzählte Fatmire Bajramaj grinsend. „Ich hatte schon beim Warmlaufen eine Gänsehaut.“ Auch die Kanadierin Sophie Schmidt fand es „noch großartiger, als ich es mir erträumt hatte. Vielleicht wird Frauenfußball nie wieder eine solche Kulisse haben.“


Nach dem Anschlusstreffer der Kanadierinnen wurde es dann auch noch einmal richtig laut. „Die Leute haben gefühlt, dass es noch mal eng werden könnte“, sagte Silvia Neid. „Das fand ich eine tolle Reaktion und das haben auch die Spielerinnen gespürt.“
Am Ende saß niemand mehr auf seinem Sitz und alle waren glücklich. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel blieben von dem Atomschlag verschont, den Verschwörungstheoretiker im Internet angekündigt hatten. Und Steffi Jones behielt mal wieder recht.

Nach einem wolkenverhangenen, grauen Vormittag kam pünktlich zum Warmlaufen der Teams, die Sonne raus. „Das Wetter spielt mit, da musste nicht mal der Kaiser anreisen“, sagte Steffi Jones in Anspielung auf Franz Beckenbauers Kaiserwetter. Das soll in den nächsten Tagen noch besser werden und wird dann wohl offiziell Kaiserinnenwetter heißen.

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