Frauenbob : Das große Poltern

Die deutschen Bobfahrerinnen kamen mit der schweren Bahn in Whistler überhaupt nicht zurecht. Mitfavoritin Cathleen Martini stürzte im letzten Lauf sogar schwer – und muss sich Kritik gefallen lassen.

Gregor Derichs[Whistler]
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Tränen einer Gestürzten. Cathleen Martini verlässt nach ihrem Crash mit Bob Deutschland II die Bahn. -Fotos: Reuters

Am Vortag hatte Viktoria Rebensburg noch verzweifelt versucht, einen Flug umzubuchen. Als ihre Eltern den Rückflug aus Vancouver über Montreal geplant hatten, hatten sie nicht wissen können, dass der zweite Durchgang des Riesenslaloms bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver aufgrund widriger Wetterbedingungen auf den nächsten Tag verschoben werden würde. „Leider hat das Umbuchen nicht geklappt“, sagte Viktoria Rebensburg, „die werden sich sicher ärgern.“ So kam es nämlich, dass ihre Eltern irgendwo zwischen Manitoba und Ontario schwebten, während ihre Tochter Olympiasiegerin wurde.

„Das ist der Wahnsinn“, sagte Viktoria Rebensburg, als ihr Sieg feststand. Die 20 Jahre alte Skirennläuferin hatte im Ziel fünf Fahrerinnen abwarten müssen, ehe sie ihren überraschenden Olympiasieg feiern konnte. „Das war schrecklich im Ziel, ich habe es kaum ausgehalten“, sagte Viktoria Rebensburg, „ich konnte nicht mehr stehen.“ Kurz ging sie vor Nervosität sogar in die Knie. Dann stand fest, dass sie den Riesenslalom mit vier Hundertstelsekunden vor der Slowenin Tina Malze und 14 Hundertstelsekunden vor der Österreicherin Elisabeth Görgl gewonnen hatte. Die Bronzemedaillengewinnerin hatte nach dem ersten Lauf geführt. „Für uns war es ein Glück, dass der zweite Durchgang erst am nächsten Tag gefahren worden ist“, sagte Deutschlands Sportdirektor Alpin Wolfgang Maier, „es ist ein psychologischer Vorteil, wenn man nicht vorne ist, als Führende musst du einen Tag lang damit leben.“ Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl kam auf Rang sechs, Kombinations-Olympiasiegerin Maria Riesch fuhr auf Rang zehn.

Viktoria Rebensburg lag nach dem ersten Durchgang auf Platz sechs. Schon beim Einschlafen am Vorabend hatte sie zu sich selber gesagt: „Das ist eine gute Ausgangsposition, nur 35 Hundertstelsekunden zurück, konzentriere dich aufs Skifahren.“ Vor allem im oberen Streckenabschnitt schob sich Rebensburg ganz nach vorne. „Die Viktoria hat sich von allen am besten auf die unterschiedlichen Bedingungen eingestellt“, sagte Maria Riesch, „im unteren Teil ist es durch den nassen Schnee immer langsamer geworden.“ Weil der Slalom am Freitag exakt in diesem langsamen Abschnitt stattfinden wird, machte sich die Favoritin Riesch Sorgen. „Ich hoffe, dass ich mich dann besser auf den Schnee einstellen kann, ich bin froh, dass ich schon eine Medaille habe.“

Der Deutsche Skiverband (DSV) hat bei den Olympischen Winterspielen bereits zwei alpine Goldmedaillen gewonnen. „Dass Viktoria Rebensburg siegt, damit hat sicher keiner gerechnet“, sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, „aber wir haben doch gedacht, dass sie am ehesten um eine Medaille mitfahren kann, weil das Gelände ihrer Art und Weise Ski zu fahren liegt.“ Sie fahre wie die Jungs, sagte Maier. Andere vergleichen ihren Stil, die Tore aggressiv anzufahren und eine direkte Linie zu wählen, mit Bode Miller: schnell, wild, gefährlich. „Sie ist ein schlampiges Genie“, sagte Techniktrainer Christian Schwaiger, „sie hat einen der schnellsten Schwünge im Weltcupzirkus, aber sie will auch manchmal mit dem Kopf durch die Wand.“ Inzwischen sei es ihnen aber gelungen, sie zu stabilisieren. Bei der Weltmeisterschaft 2009 in Val d’Isere lag sie nach dem ersten Durchgang auf Platz drei – und schied im zweiten Durchgang aus. „Damals habe ich gesagt, dass ich daraus lernen und es bei Olympia besser machen will“, sagte Viktoria Rebensburg, „der Druck war nach dem dritten Platz im ersten Durchgang aber auch höher.“

Durch ihren Doppel-Weltmeistertitel bei der Junioren-WM 2009 hat Viktoria Rebensburg zum ersten Mal auf sich aufmerksam gemacht. Im Weltcup arbeitete sie sich in dieser Saison in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom Schritt für Schritt nach vorne. Kurz nach Weihnachten fuhr sie in Lienz auf Platz fünf, am 24. Januar stand sie als Zweite in Cortina d’Ampezzo erstmals auf dem Podest. „Da habe ich endlich bewiesen, was ich kann“, sagte sie. Den ersten Sieg jedoch über die Weltelite hatte sie sich für die Olympischen Spiele aufgehoben.

Im vergangenen Jahr fiel sie

erstmals auf – durch zwei Titel bei der Junioren–WM 

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