Frauenfußball : Der Ruhm des Teams in Pluderhosen

Fußballerinnen fristen in der Türkei ein Mauerblümchen-Dasein. Das könnte sich jetzt ändern, denn die Frauen eines Dorfklubs sind durch einen Werbespot zu Stars geworden.

von
327032_0_208ff50f.jpg
Stars im Macholand. Die Fußballerinnen von Salvarspor spielen mit Kopftüchern und erregen Aufsehen.Foto Turkish Journal

Das Team des Fußballvereins Salvarspor aus der südwesttürkischen Provinz ist einzigartig. Die Mitglieder der Mannschaft sind ehrgeizig, technisch durchaus versiert – und tragen im Spiel Kopftücher und jene traditionellen Pluderhosen. Jetzt sind die Frauen von Salvarspor zu Stars eines TV-Werbespots geworden. Sie hoffen auf Sponsoren, um sich endlich Fußballschuhe leisten zu können. Der Ruhm der Pluderhosen-Mannschaft trägt auch dazu bei, dem Frauenfußball im Macho-Land Türkei mehr Bekanntheit zu verschaffen.

Die Geschichte des Teams aus dem Dorf Güneyyayla bei Burdur, etwa 100 Kilometer nördlich von Antalya, reicht acht Jahre zurück. Damals siegte die männliche Dorfmannschaft bei einem lokalen Pokalwettbewerb und spornte damit die jungen Frauen des 400-Seelen-Dorfes an, ihr eigenes Team zu gründen. Da sie zu arm waren, um Trikots zu kaufen, kickten sie in ihren farbenprächtigen Hosen, Salvar genannt, die dem Verein seinen Namen gaben. Das rief schnell die regionalen Behörden und die Medien auf den Plan. Die Karriere von Salvarspor begann.

Zwar ging damals das erste Spiel der weiblichen Mannschaft klar verloren: Gegen Bursa setzte es trotz zwischenzeitlich angeschaffter Trikots eine 0:7-Niederlage. Doch entmutigen ließen sich die Frauen nicht. Erst als eine Mannschaftsstütze nach der anderen heiratete, fiel das Team auseinander. Im Internet lebte die Mannschaft jedoch weiter, und so wurde nun eine türkische Werbefirma auf sie aufmerksam. Seit kurzem ist die neue Spielerinnen-Generation von Salvarspor in einem viel beachteten TV-Spot für Kaugummi zu bewundern – inklusive Pluderhosen, atemberaubender Tricks und einem begeisterten männlichen Publikum.

Frauen spielen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Doch das soll erst der Anfang sein. Auf dem Dorfplatz treffen sich die Frauen wieder regelmäßig zum Training. Vor den Kameras türkischer Fernsehteams führten sie kürzlich auch das ein oder andere Kabinettstückchen vor, doch bei allem Talent und Ehrgeiz gibt es doch enge Grenzen, sagt Dorfvorsteher Veysel Solak, der gleichzeitig Trainer der Frauenmannschaft ist: „Wir können einigen unserer Mädchen nicht einmal vernünftige Schuhe kaufen.“ Solak sieht in der neu gewonnenen Popularität seiner Mannschaft eine Chance, um einen Sponsor zu finden. Erst danach will Salvarspor nach Gegnern suchen. Dass die Mannschaft von weiteren Sponsoren und Fernsehauftritten träumen kann, liegt am Mauerblümchen-Dasein des Frauenfußballs in der Türkei, das die Dorfdamen in den Augen der Öffentlichkeit erst so richtig exotisch macht.

Obwohl die Türken fußballverrückt sind, spielen die Mannschaften der drei Frauenligen fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In dem Land mit einer Bevölkerung von mehr als 70 Millionen Menschen gibt es laut Verbandsangaben gerade einmal 1322 registrierte Fußballerinnen. Das muss sich ändern, sagt Ersin Alankaya, der beim türkischen Fußballverband für die Stärkung des Frauenfußballs zuständig ist. Schließlich gebe es 13 Millionen junge Frauen im Land, die als Fußballerinnen infrage kämen.

Zu ihnen gehört etwa Schülerin Gülnihal Üctas, die türkischen Reportern von der emanzipierenden Wirkung berichtete, den der Sport auf sie hatte. Ihr gesamter Blick auf das Leben habe sich dank des Fußballs verändert, erzählte das Mädchen. „Außerdem haben wir den Spruch widerlegen können, dass Fußball nun einmal Männersache sei.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben