Sport : Frauenfußball-EM: Philadelphia, Fitschen und Pfannkuchen

Benedikt Voigt

Was haben wir in den letzten Tagen nicht alles über Frauenfußball gelernt? Wir wissen, dass Philadelphia Charge kein neuer Streichkäse ist, sondern ein Profifußballteam für Frauen. Wir wissen, dass Doris Fitschen zwar sechs Länderspiele weniger als Lothar Matthäus hat, aber wie der Rekordnationalspieler künftig mit dem Mikrofon als ARD-Expertin Länderspiele kommentieren wird. Und wir haben gelernt, dass die deutschen Fußballdamen vor dem Finale traditionell Eierkuchen zu Mittag essen. "Wahlweise mit Apfelmus oder Nutella", berichtet die Nationalspielerin Bettina Wiegmann. Nur ist die Frage: Was wissen wir davon in einem Monat?

Dann werden die Männer in der Bundesliga wieder gegen den Fußball treten, und die Vereine in den Schlagzeilen werden Bayern München, Borussia Dortmund oder Hertha BSC heißen. Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass sich die Ergebnisse der Frauenfußballklubs Turbine Potsdam oder 1. FFC Frankfurt lediglich in der Statistik wiederfinden werden. Nur wenn der neue Europapokal der Frauen beginnt oder das Pokalendspiel ansteht, dürfte noch mal eine Geschichte über Philadelphia, Fitschen oder Eierkuchen mit Apfelmus ihren Weg in die Zeitung finden.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Die aktuelle Popularität ist dem Frauenfußball in Deutschland zu gönnen. Er hat sich das gestiegene Interesse verdient. Nur sollten sich die Fußballerinnen nicht der Illusion hingeben, dass es auf diesem Niveau weitergeht. Im Schnitt kamen in der vergangenen Saison 300 Fans zu ihren Bundesligaspielen. Wenn es im nächsten Jahr 400 sind, ist das auch ein Erfolg.

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