Frauenfußball : Marta wechselt in die USA

Für ein besseres Regionalligagehalt spielte Weltfußballerin Marta vier Jahre lang bei Umeå IK in Schweden. Nun wechselt sie aus der Kälte nach Südkalifornien. Sie soll der neuen US-Profiliga ein Gesicht geben.

Sven Goldmann
Weltfußballer des Jahres 2009 - Marta und Cristiano Ronaldo
Die Besten der Welt. Marta und Cristiano Ronaldo bei der Auszeichnung zu den Weltfußballern des Jahre in Zürich.Foto: dpa

Der vergangene Montag war mal wieder ein großer Tag für Marta. Zum dritten Mal in Folge ließ sich die Brasilianerin im Züricher Opernhaus als Welt-Fußballerin des Jahres feiern. Hier ein Pokal von Franz Beckenbauer, dort ein Foto mit Cristiano Ronaldo. So viel gesellschaftliche Anerkennung widmet die Fußballwelt den Frauen selten, und auch jetzt war die Ehrung Martas nur ein Anhängsel zu der von Ronaldo.

Aber wird der portugiesische Schönling je ein Tor schießen, wie es Marta geschossen hat, vor eineinhalb Jahren im Weltmeisterschaftshalbfinale von China?

An jenem 27. September 2007 stand Marta am linken Strafraumeck mit dem Rücken zum Tor und wartete auf den Ball, der da in gemächlichem Tempo in ihre Richtung hüpfte. Dann geschah etwas ganz Außergewöhnliches, wie man es im stromlinienförmigen Fußball des 21. Jahrhunderts nie zu sehen bekommt. Marta ließ den Ball auf den rechten Spann rollen, schnippte ihn mit der ersten Berührung auf den linken Außenrist und mit dem rechts an der Gegenspielerin vorbei, drehte sich und wählte selbst den Weg über die linke Seite. Das alles passierte so verwirrend schnell, dass die Gegenspielerin nicht mal dazu kam, die zierliche Brasilianerin am Trikot festzuhalten. Der Rest – noch ein Dribbling, noch eine Körpertäuschung und ein erfolgreicher Torschuss – war nur noch fürs Protokoll.

Zaubertor gegen die USA

Es war nicht nur das schönste der vielen Marta-Tore, es war wohl auch ihr wichtigstes, es war eines gegen die USA, das Land, in dem sie zukünftig ihr Geld verdienen wird. Amerika saß vor dem Fernseher, und wahrscheinlich hat es sich in diesem Augenblick in Marta verliebt. Ganz bestimmt haben die Macher von Women’s Professional Soccer (WPS) spätestens bei Martas Zaubertor gegen die eigenen Landsfrauen erkannt, dass diese neue amerikanische Frauen-Profiliga nur mit dieser Frau funktionieren würde, der anerkannt besten Spielerin der Welt.

Den dafür ausgelobten Preis nahm sie nun letztmals als Angestellte von Umeå IK entgegen. Marta wechselt aus dem kalten Nordschweden ins sonnige Südkalifornien. Am 29. März wird sie ihr Debüt geben für die Los Angeles Sol. Den Kaliforniern soll der Dreijahresvertrag knapp zwei Millionen Dollar wert sein.

Sie war das Gesicht von Umeå

In Umeå hat Marta für ein besseres Regionalliga-Gehalt gespielt. In der Kleinstadt 200 Kilometer unter dem Polarkreis fuhr sie mit dem Fahrrad zum Training. Es gab andere, höher dotierte Angebote, auch aus Amerika, aber damals wollte Marta nicht weg.

Vier Jahre lang war Marta das Gesicht von Umeå. Ihren Wert für die Stadt hatte Roland Arnqvist, Ex-Manager des Klubs, mal auf acht Millionen Dollar geschätzt. Marta gewann mit Umeå Meisterschaften und den Europapokal und bezauberte mit ihrer Art zu spielen. „Marta wollte immer in der besten Liga der Welt spielen“, sagt Arnqvist. Die erste US-Profiliga WUSA war schon deshalb keine ernsthafte Alternative, weil sie 2003 pleiteging, als Marta gerade 17 war. Für das Nachfolgeprojekt WPS ist sie im besten Alter.

Plötzlich zeigte Marta Allüren

Die neue Liga wird im Frühjahr mit sieben Teams starten, und Marta soll ihr ein Gesicht geben. Aber die Verhandlungen von Marta mit Los Angeles, einem Team aus dem Sportimperium der Anschutz Entertainment Group, gestalteten sich schwierig. Zugleich bot Umeå lange mit. Da hatte sich das Verhältnis zwischen Verein und Spielerin aber schon etwas abgekühlt. Irritiert registrierten die Schweden, dass Marta auf einmal Allüren zeigte. Entnervt zog Umeå sein Angebot zurück. Auch die Anschutz-Manager hatten an den Verhandlungen mit Martas Berater nicht allzu viel Spaß. Es heißt, Marta habe ihre Zusage davon abhängig gemacht, dass auch ihre beste Freundin, Umeås Innenverteidigerin Johanna Frisk, einen Vertrag erhalte. Am Ende gaben die Amerikaner nach. Vor ein paar Wochen gab Frisk ihren Wechsel nach Kalifornien bekannt. Marta wartete bis zur Gala in Zürich, als sie mal wieder den Preis für die beste Spielerin der Welt entgegennahm.

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