Frauenfußball : Mit Herz und Jugend

Nach vielen Querelen werden Turbine Potsdams Fußballerinnen noch Dritter. Im Sommer sah es so aus, als würde das Erfolgsteam auseinander brechen.

Helen Ruwald

BerlinBerlin - Mehr als 2000 Fans kamen, um die Spielerinnen von Turbine Potsdam zu bewundern, mehr als in den meisten Bundesligaspielen. Die Fußballerinnen waren am Mittwoch die Attraktion von Northeim. 8:1 siegten sie gegen eine Regionalauswahl in einem Spiel, mit dem sie in Niedersachsen Werbung für den Frauenfußball machten. Doch nicht nur in der Provinz ist das Team eine Attraktion, auch in der Bundesliga hat es sich zuletzt wieder viel Respekt verschafft.

„Das hat mich überrascht, wie gut wir gespielt haben“, sagt Nationalspielerin Isabel Kerschowski über die Rückrunde, in der Turbine acht Siege und drei Unentschieden holte und 30:8 Tore erzielte. Mit 23 Gegentoren stellt Potsdam die zweitbeste Abwehr der Liga. „Wir sind näher zusammengerückt“, sagt Isabel Kerschowski, „und wir hatten keinen Druck mehr“ – Titel waren nicht mehr zu gewinnen. Allen Abgängen und atmosphärischen Störungen zum Trotz beendete Turbine die Bundesligasaison am vergangenen Wochenende noch auf Platz drei hinter dem 1. FFC Frankfurt, der sich mit 16 Punkten mehr den Titel sicherte, und dem FCR 2001 Duisburg.

In der Vorrunde hatte sich Turbine, der Deutsche Meister und DFB-Pokalsieger von 2006, in die Krise manövriert: Platz fünf, nur fünf Siege in elf Spielen, das frühe Aus in Meisterschaft, Pokal und Uefa-Cup. Und immer mehr Nationalspielerinnen, die es wegzog, aus sportlichen Gründen oder aber weil sie mit Trainer Bernd Schröder nicht klar kamen. Im Sommer 2006 hatten Petra Wimbersky und Karolin Thomas den Verein verlassen, es folgten Britta Carlson und Ariane Hingst. Conny Pohlers und Navina Omilade kündigten ihren Wechsel nach Saisonende an. Ein Erfolgsteam schien völlig auseinander zu brechen.

In der Rückrunde setzte Schröder noch mehr als sonst auf 18- und 19-Jährige. Omilade, von deren Wechsel ihre Kolleginnen aus der Zeitung erfuhren, und Pohlers, die von Turbine abgemahnt wurde (Schröder: „Das hatte mit ihrem Verhalten gegenüber anderen Spielerinnen zu tun.“) saßen viel Zeit auf der Bank ab. Das sei keine Strafaktion gewesen, versichert Schröder. Entscheidend seien die Leistung und ein funktionierendes Mannschaftsgefüge. „Mit einer Zweckgemeinschaft kommt man nicht weiter.“ Das Team der Rückrunde sei nicht mit der „brillanten Mannschaft der letzten Jahre“ zu vergleichen, habe aber mit Herz und Leidenschaft gespielt.

Junge Spielerinnen wie Carolin Schiewe und Josephine Schlanke überzeugten besonders, die 17-jährige Bianca Schmidt, die in der Vorsaison noch in einem Jungenteam kickte, schoss acht Tore – genau so viele wie Pohlers. Mindestens eine Stürmerin und eine erfahrene Mittelfeldspielerin will Potsdam für die nächste Saison verpflichten – und dann wieder Meister werden. Helen Ruwald

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben