Frauenfußball : Turbine Potsdam verliert DFB-Pokalfinale

2:3 nach einer vogelwilden Partie: Turbine Potsdam unterliegt dem VfL Wolfsburg im Endspiel um den DFB-Pokal. Die VfL-Fußballerinnen haben nun ihrerseits die Chance auf das Triple. Am Donnerstag bestreiten sie das Champions-League-Finale gegen Lyon.

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Weiß schlägt Blau. Wolfsburgs Martina Müller (links) im Duell mit Pauline Bremer. Foto: dpa
Weiß schlägt Blau. Wolfsburgs Martina Müller (links) im Duell mit Pauline Bremer. Foto: dpa

Die mit Abstand Gewissenhafteste beim Feiern war Viola Odebrecht. Mit schicker lila Sporttasche unterm Arm, grauer Wollmütze auf dem Kopf und bereits verdächtig kratziger Stimme schlenderte die Nationalspielerin in Diensten des VfL Wolfsburg eineinhalb Stunden nach Spielschluss Richtung Ausgang. „Ich werde mir heute definitiv noch das eine oder andere Glas Wein gönnen“, kündigte sie nach dem 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen Turbine Potsdam für den weiteren Verlauf des Abends an. Und gebremste Partylaune wäre gerade in ihrem Fall wahrlich fehl am Platz gewesen.

Zwar können die Meisterinnen und Pokalsiegerinnen aus Wolfsburg eine ohnehin prächtige Saison am Donnerstag in London mit einem Sieg im Champions-League-Finale noch krönen. Viola Odebrecht aber ist beim ambitionierten Triple-Versuch gegen Olympique Lyon gesperrt. Deshalb durfte sie schon in Köln richtig loslegen – und tat dies auch bei der Beurteilung des Pokalfinales. „Die Sache hier hätte theoretisch auch 8:7 ausgehen können“, sagte die frühere Potsdamerin nach einer vogelwilden Begegnung. Mit vier Toren zwischen der 52. und 62. Minute und einem halben Dutzend vergebener Großchancen auf beiden Seiten in der letzten halben Stunde.

Für das Duell mit Lyon verheißen die Schwächen in Abwehr und Angriff aus Sicht von Wolfsburg nichts Gutes. „Beide Mannschaften machen Fehler, wenn sie unter Druck geraten. Deshalb haben wir nach der Pause die vielen Tore gesehen“, urteilte Bernd Schröder. Turbines Trainer dachte angesichts der ständig sinkenden Zuschauerzahlen in Köln - bei der Premiere 2010 waren es 26.282, diesmal kamen nur noch 14.269 Besucher – wieder sehnsüchtig an die früheren Endspiele im Berliner Olympiastadion. „Wir können die Leute nicht zwingen zu kommen“, sagte Schröder. „Ich denke nicht, dass der Frauenfußball einen Boom erlebt. Das wird eher weniger als mehr.“

Immerhin ist mit den Wolfsburgerinnen mehr Abwechslung in die lange von Frankfurt, Potsdam und Duisburg dominierten Siegerlisten gekommen. Und nach den Niederlagen von Potsdam (2011) und Frankfurt (2012), jeweils gegen Lyon, genießt der VfL nach Meisterschaft und Pokalsieg im Champions-League-Finale die Außenseiterrolle. „Wir fahren da einfach hin und schauen, wie das wird“, sagte Angreiferin Conny Pohlers. Die 34-Jährige genießt in Wolfsburg gerade ein spätes Hoch. Auch im Finale schoss sie ein Tor, jenes zum zwischenzeitlichen 3:0, und bereitete ein weiteres vor. Ähnlich fiel die Bilanz von Martina Müller aus. Die ist lediglich 17 Monate jünger als Conny Pohlers, schoss im Pokalfinale zwei Tore und entwickelt gerade ehrgeizige Pläne.

Denn in der vom VW-Konzern geförderten Frauenabteilung des VfL wollen sie nach den ersten zwei Titeln mehr. „Unsere Vitrine in Wolfsburg ist noch relativ leer“, sagte Müller. „Aber wir wissen, dass wir mit ein paar Verstärkungen in den nächsten Jahren weiter um Titel mitspielen werden.“ Martina Müller spielt seit 2005 für den VfL Wolfsburg und hat sich auch in ihrer Zeit als Nationalspielerin konsequent einen Wechsel zu einem etablierten Verein verkniffen. „Ich hätte es einfach haben können“, sprach sie nach dem Finalsieg von Köln. „Aber ich wollte es nicht einfach haben.“

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