Frauenfußball : Turbine Potsdam verpasst das Double

Die Fußballerinnen des 1. FFC Frankfurt haben Turbine Potsdam das "Double" verdorben und zum achten Mal den DFB-Pokal der Frauen gewonnen. Die Hessinnen gewannen das Finale gegen den deutschen Meister Potsdam mit 2:1.

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Die Potsdamer Torhüterin Anna Felicitas Sarholz kassiert den Treffer zum 0:1.
Die Potsdamer Torhüterin Anna Felicitas Sarholz kassiert den Treffer zum 0:1.Foto: dpa

Einen Tag vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen hatte Bernd Schröder den Wunsch geäußert, beide Mannschaften sollten doch bitte mit attraktivem Fußball Werbung für die in rund drei Monaten beginnende Heim-Weltmeisterschaft machen – das Ergebnis sei ihm dabei beinahe egal. Kurz nach dem Abpfiff am Samstagabend konnte man aber klar erkennen, dass Turbine Potsdams Trainer geflunkert hatte: Nichts war egal. Der 68-Jährige redete auf dem Rasen des Kölner Stadions mit erhobenem Zeigefinger auf seine Spielerinnen ein, die in den 90 Minuten zuvor alles gegeben hatten, sich dem 1. FFC Frankfurt aber mit 1:2 (1:1) geschlagen geben mussten. Für den Vizemeister aus Frankfurt war es der achte Triumph im Pokal, Meister Turbine darf sich mit der noch bestehenden Chance auf die Titelverteidigung in der Champions League trösten. Auch in Sachen WM-Werbung war Turbines Trainer mit dem Finale vor 20 312 Zuschauern nicht ganz zufrieden. „Es war nichts Brillantes dabei“, sagte Bernd Schröder. „Aber es war ein Kampfspiel.“

Die beiden besten Mannschaften der gerade beendeten Bundesligasaison begannen nervös. „Konzentriert euch“, brüllte Schröders Kotrainer Dirk Heinrichs nach zehn Minuten schon fast verzweifelt aufs Feld. Fatmire Bajramaj, mit dem Ball am Fuß eine der besten Spielerinnen der Welt, unterlief kurz darauf sogar ein falscher Einwurf. Die Frankfurterinnen fingen sich als erste und verstärkten den Druck. Die Folge war ein Fehler von Turbines Inka Wesely, die den Ball am Fünfmeterraum durch die Beine flutschen ließ, Svenja Huth reagierte am schnellsten und traf zum 1:0 für Frankfurt. Mit dem Tor veränderte sich das Spiel. Plötzlich begann auch Turbine zu kombinieren, Anja Mittag schickte Bajramaj per Hackentrick in den Strafraum, Nadine Angerer im Frankfurter Tor konnte gerade noch klären. Immer besser gelang es den Potsdamerinnen nun, nach Ballgewinnen zügig und direkt nach vorne zu spielen, vor allem über die rechte Seite der unermüdlichen Japanerin Yuki Nagasato. Beide Mannschaften erhöhten nun auch den körperlichen Einsatz. Das nun temporeiche Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten dürfte dennoch auch Bernd Schröder gefallen haben – auch wenn er hinterher die hohe Fehlerquote seiner Spielerinnen rügte. Jubeln durfte er kurz vor der Pause: Erneut war es Nagasato, die einem langen Pass hinterher hechelte und zum 1:1 traf.

Fast direkt nach Wiederanpfiff allerdings unterlief den Potsdamerinnen der nächste Fehler: Auf der linken Seite ließ Turbines Verteidigung Birgit Prinz zu viel Raum, den ersten Versuch der Nationalstürmerin konnte Potsdams Torhüterin Anna Felicitas Sarholz zwar noch abklatschen, den Nachschuss von Kerstin Garefrekes bekam die 18-Jährige aber erst knapp hinter der Linie zu fassen. So sehr sich die sonst so stoisch wirkende Sarholz auch bei der Linienrichterin beschwerte: Der Treffer zählte, Turbine lag 1:2 zurück. Kaum hatte sich Sarholz beruhigt, musste sie sich schon wieder aufregen – und dieses Mal sogar zu Recht. Nach einer Stunde segelte ein Freistoß von Potsdams Kapitän Jennifer Zietz über Angerer hinweg ins Tor der Frankfurterinnen, die Schiedsrichterin hatte allerdings ein Foul an der nicht immer sicher wirkenden Nationaltorhüterin gesehen und erkannte das vermeintliche 2:2 nicht an. „Ich denke, es war ein reguläres Tor und mein Fehler“, bekannte Angerer. „Ich war froh, als der Pfiff kam. Wenn man als Torwart dieses Gefühl hat, muss vorher was schief gelaufen sein.“

Der Potsdamer Fanblock im knapp zur Hälfte gefüllten Stadion in Köln verwünschte zunächst lautstark die Unparteiische, trieb sein Team dann aber weiter an. Die Rasanz der ersten Hälfte wich jetzt einem verbissenen Kampf, in dem Turbine aber nur noch wenig gute Aktionen gelangen und Frankfurt bei Kontern mehrmals kurz vor dem 3:1 stand. Zwei Minuten vor Schluss wäre der 208-maligen Nationalspielerin Prinz beinahe noch das vielleicht schönste Tor ihrer langen Karriere gelungen: Die 33-Jährige stieg für einen Seitfallzieher in die Luft, verfehlte das Tor aber.

Von einem wegweisenden Spiel in Richtung Weltmeisterschaft wollte Prinz, nachdem Bundespräsident Christian Wulff die Siegerinnen geehrt hatte, nicht sprechen. „Für mich sind das zwei paar Schuhe“, sagte sie gewohnt nüchtern. „Aber von der Stimmung her war es ein guter Anfang.“

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