Frauenfußball-WM : Besser als Klinsmann

Wenn die deutschen Fußballspielerinnen bei dieser Weltmeisterschaft noch ein Gegentor bekommen sollten, dann höchstens im Endspiel: Durch einen Sieg gegen Norwegen ziehen sie ins Finale ein.

Frank Hollmann
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Vier Fäuste und ein Halleluja -Foto: AFP

Tianjin 3:0 haben die Deutschen gestern in Tianjin das Halbfinale gegen die Norwegerinnen gewonnen. Es ist das dritte Endspiel, das die deutschen Spielerinnen bei einer WM bestreiten nach 1995 und 2003. Die wieder einmal überragende Birgit Prinz leitete den Sieg gestern ein, ihren Schuss lenkte eine Norwegerin ins eigene Tor, nach der Pause trafen dann Kerstin Stegemann und Martina Müller für die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid.

Zwar hatte Sandra Smisek die erste gute Chance für die Deutschen schon nach gut 50 Sekunden mit einem Volleyschuss aus 17 Metern. Doch Mitte des ersten Durchgangs bescherten Norwegens Angreiferinnen der deutschen Nationaltorfrau Vollbeschäftigung. Im Minutentakt wurde die schon gegen Korea überragende Nadine Angerer von den Norwegerinnen geprüft, fünfmal konnte sie parieren.

Auf der Gegenseite passten die deutschen Damen oft viel zu hektisch und unpräzise, um die Norwegerinnen spielerisch in Gefahr zu bringen. So mussten Einzelaktionen her. Birgit Prinz kurvte durch das Mittelfeld, schoss aber aus 20 Metern genauso drüber wie zuvor Renate Lingor. Und als die aufgerückte Linda Bresonik sich über links durchsetzte und Melanie Behringer freispielte, zögerte die Freiburgerin viel zu lange. Beherzt klärten die Skandinavierinnen die Situation.

Spätestens da sah sich Bundestrainerin Silvia Neid genötigt zu reagieren, und die Startelf umzubauen, die im Viertelfinale Nordkorea 3:0 besiegt hatte. Für die meist unglücklich agierende Behringer kam noch vor der Pause Fatmire Bajramaj – ein Wechsel mit Folgen. Gleich in ihrer ersten Aktion schickte die erst 19-Jährige Birgit Prinz auf die Reise. Deren scharfen Schuss drückte Norwegens Innenverteidigerin Trine Rönning unbedrängt über die eigene Linie. Doch schon Sekunden später musste Angerer erneut nach einer norwegischen Ecke und anschließendem Kopfball aus Nahdistanz ihre Flug- und Fangkünste beweisen, um die Pausenführung zu sichern.

Norwegens Coach reagierte, brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit mit Lise, Klaveness, Siri Nordby und Lene Storlokken drei frische Kräfte. Das Spiel aber bestimmten zunehmend die Deutschen. Vor allem Birgit Prinz zeigte in ihrem 170. Länderspiel erheblich mehr Zug zum Tor als noch in den letzten Partien, zunächst aber noch ohne Erfolg. Erst vergab Smisek die Rückgabe, dann segelte eine Hereingabe der deutschen Spielführerin an Freund und Feind vorbei.

Nach 73 Minuten aber zahlte sich ihr Laufpensum zum zweiten Mal aus. Von der ebenfalls stark verbesserten Simone Laudehr steil geschickt, legte Prinz zurück in den Lauf von Kerstin Stegemann. Der abgefälschte Schuss der aufgerückten Duisburger Verteidigerin senkte sich über Torfrau Nordby ins lange Eck. Nur drei Minuten später spritzte die eingewechselte Martina Müller in eine zu kurze Rückgabe und schob überlegt zum 3:0 ein – die endgültige Entscheidung.

Bajramaj hätte sogar noch erhöhen können, doch ihr Rechtsschuss – erneut nach starker Hereingabe von Prinz – krachte nur ans Lattenkreuz. Die Norwegerinnen dagegen brachen nach einer starken ersten Halbzeit in Durchgang zwei völlig ein und kamen kaum noch gefährlich in die Nähe des deutschen Tores. Und wenn doch, wie Marie Knutsen kurz vor Schluss, verteidigte Nadine Angerer souverän ihre makellose Bilanz. Im fünften Spiel dieser Weltmeisterschaft ist die Torhüterin von Turbine Potsdam noch immer ohne Gegentor.

Unter den gut 54 000 Zuschauerin feierten auch einige hundert deutsche Fans den erneuten Finaleinzug der deutschen Frauennationalelf. Sogar Austauschstudenten der Qinghua-Universität waren extra aus dem gut 200 Kilometer entfernten Peking nach Tianjin gereist. Selbst der Umstand, dass die WM-Organisatoren unmittelbar nach dem Schlusspfiff im eigens für Olympia nächstes Jahr gebauten Sportpark übelste deutsche Bierzeltmusik dröhnen ließen, konnte die Begeisterung nicht schmälern.

Die deutschen Damen können nun heute ganz entspannt am Fernseher verfolgen, wer ihnen ins Endspiel von Schanghai am Sonntag folgen wird. Im zweiten Halbfinale treffen in Hangzhou Brasilien und die USA aufeinander.

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