Frauenfußball-WM : Frankreich verzichtet für ein "Wiedersehen bei Freunden"

Der DFB ist der Ausrichtung der Frauenfußball-WM 2011 einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der Französische Verband hat seine Bewerbung zurückgezogen, womit Deutschland als einziges europäisches Bewerberland übrig bleibt. Ohne Eigennutz war der Rückzieher der Franzosen allerdings nicht.

Ulli Brünger[dpa]

DüsseldorfNach dem Sommermärchen 2006 wird auch der Traum von der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland immer realistischer. Nach dem erhofften Rückzug des europäischen Mitbewerbers Frankreich sind die Aussichten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) auf die Ausrichtung der 6. Frauen-WM beträchtlich gestiegen. "Wir sind unseren Freunden des französischen Fußball-Verbandes sehr dankbar für deren Zusage, die deutsche Bewerbung um die Frauen-WM 2011 unterstützen zu wollen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, nachdem der Nachbar seine Kandidatur offiziell zurückgezogen hatte.

Neben Deutschland sind jetzt noch Australien, Kanada und Peru im Rennen um die Gastgeberrolle für 2011. Die Entscheidung über die Vergabe trifft das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA am 30. Oktober in Zürich. Der DFB hofft nun auf die geschlossene Unterstützung aller Verbände der Europäischen Fußball-Union UEFA, die im FIFA-Exekutivkomitee acht von 24 Stimmen haben.

Männer-WM 2006 als Aushängeschild

Zwanziger hatte stets betont, man habe nur eine Chance, wenn sich Europa auf einen Kandidaten einige. "Sonst bekommt Kanada den Zuschlag", so der DFB-Präsident. Daher warf nicht nur der 62-Jährige sein sportpolitisches Gewicht in die Waagschale. Nun ist die erste Hürde gemeistert, der "Deal" mit Frankreich perfekt. Zwanziger macht kein Geheimnis daraus, wie dieser aussieht. "Falls die Franzosen ihre Kandidatur für 2011 zurückziehen, haben wir kein Problem damit, sie bei der Bewerbung um die Männer-EM 2016 zu unterstützen." Wie der DFB weiter mitteilte, wird eine "weitreichende Kooperation" mit dem französischen Verband angestrebt. Die deutsch-französische Freundschaft soll auf dem DFB-Bundestag am 25./26. Oktober in Mainz abgesegnet werden, bei dem auch der französische UEFA-Präsident Michel Platini zu Gast sein wird.

Franz Beckenbauer, der als Frontmann schon die WM 2006 nach Deutschland holte, und UEFA-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder sind auserkoren, ihre internationalen Beziehungen spielen zu lassen und auf Stimmenfang zu gehen. "Beide haben sehr gute Kontakte nach Asien und Afrika", meinte Zwanziger. Ein Faustpfand gegenüber der Konkurrenz ist natürlich die glänzende Resonanz auf die Männer-WM. Schon der Slogan "Wiedersehen bei Freunden" weist darauf hin, dass sich der DFB das zu Nutze machen will. "Wir sind optimistisch, die große Begeisterung und tolle Stimmung von 2006 wieder aufs Neue wecken zu können", betonte Zwanziger.

Bis zur FIFA-Entscheidung wartet noch viel Arbeit auf das von Zwanziger angeführte Bewerbungskomitee, zu dem neben DFB-"Vize" Engelbert Nelle, Hannelore Ratzeburg (DFB-Vorstand) und DFB-Frauenfußball-Abteilungsleiterin Heike Ullrich auch Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), gehört. "Wir werden eine lückenlose Bewerbung übergeben, an der wir nicht nur mit großem Engagement, sondern mit viel Enthusiasmus arbeiten. Denn über die Pflichtteile hinaus lassen wir auch Kür-Elemente einfließen", sagte Zwanziger. In Deutschland habe der Frauenfußball einen "enormen Stellenwert und ein riesiges Potenzial".

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