Sport : Frauenstaffel holt Bronze: Kleines Happy End für eine Zweckgemeinschaft

Jupp Suttner

So heftig hat Franziska von Almsick es noch nie gekriegt. Die Boulevardzeitungen "Bild" und "B.Z." beschimpften sie als "Schwimm-Zicke" und kamen angesichts von 20 Millionen Mark, die die Schwimmerin auf dem Konto haben soll, zu der Erkenntnis: "Gold kann man nicht kaufen." Wenn so etwas zu lesen ist, müssen schon schlimme Sachen vorgefallen sein. In Sydney hat Franziska von Almsick Folgendes angestellt: Zunächst schwamm die 22-Jährige in ihrem 200-m-Freistil-Einzel-Rennen zu langsam, danach stieß sie den Bundestrainer Thiesmann zur Seite, weil dieser in ihrem Weg stand. Und schließlich gab sie keine Interviews mehr, sondern heulte, ohne dass eine Kamera die Tränen aufzeichnen konnte.

Am gestrigen Tag im Aquatic Centre waren die Kameras wieder da und durften die ersten Worte von Franziska van Almsick übertragen. "Es waren schwere Tage", sagte die Schwimmerin zu den Medienvertretern. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Berlinerin bereits ihre erste Medaille bei den Olympischen Spielen von Sydney gewonnen: Bronze mit der deutschen Staffel über 4 x 200-Meter-Freistil. Die Amerikanerinnen schlugen in 7:57,80 Minuten vor den australischen Schwimmerinnen (7:58,52) an. Und Franziska van Almsick, hat auch sie gewonnen? "Ich hatte mir hier alles anders vorgestellt", erklärte sie nachdenklich. "Ich wusste wirklich nicht, ob ich heute überhaupt würde schwimmen können."

Sie schwamm dann doch. Sogar ganz gut, denn sie übergab als Startschwimmerin mit einer Zeit von 1:59,51 Minute auf Platz drei liegend an Antje Buschschulte, die in 2:00,35 Minuten den dritten Platz hielt. Auch die 19-jährige Sara Harstick (2:00,88) kämpfte tapfer um Bronze. Die Debütantin war vor dem Rennen sehr aufgeregt. "Aber die erfahreneren Schwimmerinnen nahmen mich zur Seite und sagten mir, das schaffst du schon - das baut auf."

Teamgeist bei den deutschen Damen, die bislang durch interne Streitigkeiten aufgefallen sind? "Klar", sagte Kerstin Kielgaß, die mit 1:57,90 Minute nicht nur den dritten Rang ausbaute, sondern sogar den Australierinnen noch einmal bedrohlich näher rückte. Am Ende fehlten zwölf Hundertstel-Sekunden zu Silber. "Wir sind vorher zusammengesessen und haben uns Mut gemacht", erklärte Kielgaß. "Es war trotzdem kein besonders schwieriger Akt für uns vier, uns zu finden - bei so einem Wettkampf rauft man sich von alleine zusammen." Die 30-jährige Schlussschwimmerin kann sich mit der Bronzemedaille gut abfinden. "Mehr war nicht drin, auch wenn man vielleicht etwas mehr erwartet hat." Zur Goldmedaille fehlten 0,84 Sekunden. "Ich hatte nach den ersten Wettkampftagen keine Erwartung mehr, dass wir das schaffen könnten", erklärte Kerstin Kielgaß.

Ein kleines Happy End für die Zweckgemeinschaft Frauenstaffel also, die die schnellste Zeit seit der Wiedervereinigung schwamm. Und für Franziska von Almsick? "Ich weiß noch nicht, ob das mein letztes olympisches Rennen war", sagte die 22-Jährige. Es ist sehr fraglich, ob van Almsick am Schlusstag in der Lagen-Staffel mitschwimmt. Vielleicht muss die letzte ihrer Medaillen stellvertretend für ihre gesamte Karriere stehen: Bronze.

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