Sport : Frauenvolleyball: Volley Cats kämpfen ums Überleben

Ernst Podeswa

Wird es in der Saison 2001/2002 in Berlin noch Frauenvolleyball auf Bundesliganiveau geben? "Auf jeden Fall", sagt Andrzej Niemczyk, und der gebürtige Pole zögert keine Sekunde. "Und zwar mit den Volley Cats und mit mir als Trainer."

Dabei wabberten seit Wochen Gerüchte durch die Landschaft, die Cats würden wohl kaum die Saison überleben. Die Spekulationen rankten sich um Fakten: Sportlich gelang nur ein Sieg gegen den VC Olympia Berlin. Auch die türkische Karte, mit Nationalspielerinnen vom Bospurus Zuschauer und Sponsoren zu gewinnen, stach nicht: Eine Spielerin bekam keine Freigabe, dann ging ihre Kollegin Bahar Urcu zurück in die Türkei. Und schließlich kündigte Manager Siegbert Brutschin (47) zum Jahresende, und auch seine Mitarbeiterin verließ die Geschäftsstelle. Vereins-Präsident Norbert Bücker erläutert: "Trotz intensiver Bemühungen um Sponsoren hatten wir eine Unterdeckung des Saisonetats (geplant 750 000 Mark, d.A.). So mussten wir nach Sparmöglichkeiten suchen. Bei den Spielerinnen ging es nicht, also kam nur die Geschäftsstelle in Betracht." Die Finanzkrise hat verschiedene Ursachen: Dass noch immer kein Hauptsponsor gefunden wurde, dass Verbindlichkeiten drücken und die Senatsgelder von der Spielbank verspätet eintrafen.

Der Ausweg aus der Klemme - siehe oben. Allerdings wurden Manager/Mitarbeiterin nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen. Für die Sekretärin fand sich ein Job, und für Brutschin war es kein Problem: "Es war ja klar, dass ich nicht Cats-Manager bis an mein Lebensende bleiben kann." So ist er nun für eine Veranstaltungs-Agentur tätig. Und nebenher weiter Bundesliga-Sprecher und - Manager der Cats. Ehrenamtlich. Warum er das tut? "Weil viel Herzblut von mir in dem Verein steckt, mein Arbeitgeber mir Freiräume dafür gibt und wir 2002 die WM in Berlin haben."

Auch Trainer Niemczyk möchte nicht, "dass Frauenvolleyball, den ich vor 23 Jahren im Westteil mit aufbauen half, hier verschwindet". Weil er sich darin eins weiß mit dem Vorstand einschließlich Heinz Kuring (ehedem Rudow, Post, Innova), glaubt der 57-Jährige an bessere Zeiten. Denn das derzeit nur aus acht Spielerinnen bestehende Cats-Personal bekommt im Sommer Verstärkung durch fünf Junioren-Nationalspielerinnen vom VC Olympia. Die seien "hochtalentiert und hochmotiviert", preiswerter als Ausländerinnen und wollen wegen ihrer Ausbildung hier bleiben. "Ich stehe hinter dem Konzept, sparsam zu wirtschaften und mit jungen Leuten zu arbeiten." Präsident Bücker spricht von einer "ernsten Situation" und, dass es "in den Sternen steht", ob die Rettung gelinge. Aber er verweist auch auf Unterstützung seitens des Landessportbundes und der Senatsschulverwaltung. Das half gestern im Sportforum gegen Bayer Leverkusen nicht: Nach dem 1 : 3 ist nun der Zug zu den Play-offs der besten sechs Teams abgefahren.

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