Sport : Frecher als die Einheimischen

Nur ein Sieg fehlt Griechenlands Trainer Otto Rehhagel noch

Andreas Morbach

Köln. Es ist ja nicht so, dass Otto Rehhagel gar nichts unternimmt, um ein wenig den Griechen in sich zu wecken. Zwar gipfelt sein Sprachschatz nach zwei Jahren als griechischer Nationaltrainer noch immer in „Heute ist ein schöner Tag“. Und nach wie vor treibt sich der Mann öfter in Deutschland herum als in Griechenland. Dennoch gibt es Anzeichen von Assimilierung: Otto Rehhagel fährt in Athen Auto. Das ist ungefähr so verwegen wie in einem Sturm ein Ruderboot zu besteigen. Rehhagel prahlt sogar: „Ich fahre frecher als die Griechen.“

Deshalb, vor allem aber wegen seiner Erfolge mit den Fußballern des Landes haben sie sich im Südosten Europas mit dem bockigen Deutschen mittlerweile angefreundet. Inzwischen gilt der 65-Jährige dort als „dobre“. Das ist zwar nicht Griechisch, aber in den slawischen Sprachen des Balkans bedeutet es so viel wie: guter, geradliniger Typ. Der einen guten Job macht. Unter Rehhagel gewannen die traditionell als zweitklassig geltenden Griechen ihre letzten fünf Qualifikationsspiele zu Null, und stehen deshalb jetzt vor einem historischen Moment, wie Rehhagel sagt. Ein Sieg am Samstag gegen Schlusslicht Nordirland in Athen – und Griechenland wäre direkt für die Endrunde in Portugal qualifiziert. Vor Spanien. Vor der Ukraine.

Den stolzen Spaniern fügten die Hellenen im Juni gar die erste Heimniederlage nach zwölf Jahren zu, weshalb Rehhagel vor dem Gang gegen die abgeschlagenen Nordiren den VfB Stuttgart als abschreckendes Beispiel benutzt. „Stuttgart hat Manchester United geschlagen und drei Tage später in der Bundesliga gegen den Tabellenletzten unentschieden gespielt.“ Die Nordiren als verkappte Kölner – diesen Ausgang wollen die Griechen dringend vermeiden. Autofahrer und Hochspringer Rehhagel sowieso. Wenn wir gewinnen", hat der Gastarbeiter den Athenern vorab schon einmal die Herzen gewärmt, "würde ich gerne drei Meter hoch springen. Aber ich bringe es nur auf einen halben Meter".

Eine ähnliche Überraschung wäre auch eine andere direkte Qualifikation für die Europameisterschaft 2004. Sollte sich Bosnien-Herzegowina durchsetzen, wäre das wohl die größte Sensation der Ausscheidungsspiele. Mit einem Heimerfolg über Dänemark könnte das zerrüttete Land, seit 1992 eigenständige Republik, im letzten Moment in der Tabelle von Platz drei auf eins hüpfen – und das bei Konkurrenten wie Rumänien, Norwegen und Dänemark. Das Team mit den Bundesligaprofis Bajramovic (Freiburg), Barbarez (Hamburg) und Salihamidzic (Bayern München) ist wild entschlossen, den Coup zu bewerkstelligen. Trainer Blaz Sliskovic sagt vor dem Finalspiel in Sarajevo: „Bisher hatten wir auch ein bisschen Glück, aber jetzt sind wir bereit, Dänemark zu schlagen.“

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