Sport : Frei im Kopf

Franck Ribéry nähert sich seiner alten Form und wird für den FC Bayern wieder wertvoll

Carsten Eberts[München]
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Louis van Gaal hatte überhaupt keine Lust auf Lobeshymnen. Schon gar nicht für Franck Ribéry, seinen kleinen Franzosen, der beim 3:0 (1:0) gegen den FC Basel am Mittwochabend in der Champions League doppelt ins gegnerische Tor getroffen hatte. „Natürlich könnte ich zur Leistung von Franck Ribéry etwas sagen“, brummte van Gaal, „aber ich werde das nicht machen.“ Ribéry müsse in seiner Mannschaft schließlich eine Funktion erfüllen, das habe er getan. „Und es ist wichtig, dass ein Spieler wie Ribéry frei im Kopf ist“, sagte der Niederländer. Das habe man an diesem Abend deutlich gesehen. Schließlich rutschten ihm doch milde, gar lobende Worte heraus: „Heute war ich sehr zufrieden mit ihm.“

Der Spieler frei ihm Kopf, sein Trainer zufrieden – Ribérys Leistung im wertlosen letzten Gruppenspiel gegen den FC Basel war in der Tat ansprechend. Es war bei Weitem nicht Ribérys bestes Spiel im Trikot der Bayern – aber seine beste Partie seit langem. Beim 1:0 profitierte der Franzose noch von der energischen Vorarbeit seines Hintermanns Diego Contento und einem kollektiven Abwehrfehler des FC Basel, der Ribéry plötzlich ein leeres Tor eröffnete. Beim 2:0 kurz nach der Pause nahm er dann aus 15 Metern schwungvoll Maß und traf ins linke, untere Eck. Anschließend stürmte er an die Seitenlinie, zur Tribüne neben der eigenen Trainerbank, um seinen Cousin Matthieu kurz und heftig in die Arme zu schließen. Der hatte kürzlich seine Mutter verloren – und Ribéry holte ihn zu sich in seine Münchner Villa. Von seiner Kür zum „Mann des Abends“ wollte Ribéry jedoch nichts wissen. „Ich bin noch nicht bei hundert Prozent, das Eins-gegen-Eins hat noch nicht so gut funktioniert“, sagte er bescheiden. „Die drei Punkte sind wichtig. Für das Publikum und für das Spiel am Samstag gegen St. Pauli.“

Das Spiel vom Mittwochabend legt jedoch nahe, dass sich Ribéry eindeutig in aufsteigender Form befindet. Acht Wochen hatte er wegen einer Sprunggelenksverletzung gefehlt, anschließend fand er nur schwerlich in die Mannschaft zurück. Öffentlich klagte er über seinen Trainer, der ihm in der schwierigen Zeit zu wenig Liebe und Vertrauen entgegengebracht habe. „Im Moment funktioniert es gut mit ihm. Ich brauche ihn, er braucht mich“, sagte Ribéry nun nach dem Basel-Spiel über van Gaal. Der Ton zwischen beiden ist ein merklich anderer geworden.

Ribérys Selbstkritik ist dennoch angebracht. Zu oft verhedderte er sich in den Beinen der Basler Abwehrspieler. Der Franzose hat viel von seiner tänzelnden Leichtigkeit eingebüßt und braucht sicher noch Wochen, um bei Bayern wieder eine tragende Rolle spielen zu können. Teamkollege Philipp Lahm sagte immerhin: „Er ist auf dem Weg, der alte Franck Ribéry zu werden. In der jetzigen Phase ist jeder Spieler wichtig, aber ein kreativer Spieler wie Franck natürlich besonders.“

Das Lob des Abends aber erhielt Ribéry von seinem Torwart. Der junge Thomas Kraft hatte selbst famos gespielt und sich so erneut für die Nachfolge des im Sommer wohl scheidenden Jörg Butt beworben. Kraft bekannte überschwänglich: „Franck hat überragend gespielt. Zumindest heute war ich froh, nicht gegen ihn spielen zu müssen.“ Das hatte schon lange keiner mehr über den Franzosen gesagt.

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