Freiburg - Hamburg : Der HSV enttäuscht beim 1:1

Der Hamburger SV spielt nur 1:1 in Freiburg und zeigt sich nur selten im Angriff. Die Gastgeber dagegen überraschen mit einer frechen Spielweise.

Uwe Rogowski[Freiburg]
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Gleich ist er drin. Freiburgs Tommy Bechmann trifft zum Ausgleich.Fotot: dpa

Falls sich Bruno Labbadia eingebildet haben sollte, dass er seinen Kollegen vor dem Spiel mit der Aufstellung seiner Mannschaft hätte verwirren können – keine Chance. Mit einem Robin Dutt macht man keine Spielchen. Dutt, der Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, hatte schon vor dem Spiel gegen den Hamburger SV vergnügt verkündet: „Zehn Hamburger, die gegen uns spielen werden, könnte ich auf einen Zettel schreiben.“ Es kam dann alles anders.

Denn zumindest das Ergebnis zum Saisonauftakt hatte Hamburgs Coach Labbadia wohl nicht einkalkuliert. 1:1 (0:1) trennten sich die Badener vom Hamburger SV und wurden dafür von der Heimkulisse gefeiert. In der Tat konnte nur der Aufsteiger zufrieden sein.

24 000 Zuschauer kamen ins Freiburger Stadion, und sie sahen eine erfrischende und speziell in der ersten Halbzeit beachtenswerte Vorstellung ihrer Mannschaft. Überraschend bei der Hamburger Aufstellung war auf jeden Fall, dass mit Zé Roberto nur ein Neuzugang auf dem Platz stand. Mit rund 30 Millionen Euro Einkaufswert dürfte es die teuerste Ersatzbank der HSV-Historie sein, die sich in Freiburg versammelte – der Lizenzspieler-Etat des Freiburger SC ist nur halb so groß. David Rozehnal und Eljero Eli sowie Marcus Berg sahen den Spielbeginn von der Seitenlinie aus.

Dieser Spielbeginn war ja immerhin noch erfreulich für die Gäste: Eine Ecke nach 120 Sekunden, eine zu kurz geratene Kopfballabwehr und ein Schuss genügten, schon hatten die Freiburger ihr erstes Gegentor in dieser Saison. Der Ex-Freiburger Jonathan Pitroipa hatte mit einem Schuss ins linke untere Eck getroffen. Nach sechs Minuten vergab Zé Roberto am kurzen Eck. Das war’s dann aber schon mit der HSV-Offensive. „Nach dem 1:0 haben wir das Fußballspielen ein Stück weit eingestellt“, gab Labbadia zu.

In der Folgezeit hatten die Hamburger in der Tat alle Mühe, die variabel spielenden Gastgeber vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Das gelang nicht immer, aber in vielen Situationen konnten sie immerhin auf die Gastgeber vertrauen: Johannes Flum und Ivica Banovic scheiterten mit Distanzschüssen, Tommy Bechmann verpasste aus der Nähe knapp.

Das Hamburger Mittelfeld ist in etwa zehn Mal so viel wert wie das der Freiburger – in der Theorie der Zahlen. Die Praxis sah anders aus: Das Freiburger Mittelfeld spielte auf Augenhöhe mit jenem des HSV. Freiburg glich Defizite im technischen Bereich mit mehr Einsatz aus. Und in der Pause sangen die Zuschauer erwartungs- und fast wahrheitsgemäß: „Ihr seid besser als der HSV.“

Auch in der zweiten Hälfte enttäuschte der Favorit. Labbadia wedelte zwar mit seinen Armen, als wollte er eine Mühle imitieren, aber seine Spieler waren von der Einlage wenig beeindruckt. Sie leisteten sich unverändert grobe Fehler. Die Freiburger dagegen griffen weiter ebenso stürmisch wie uneffektiv an – zahlreiche Chancen wurden vergeben. Erst Bechmann belohnte schließlich den Aufwand und traf nach einer guten Stunde zum 1:1. Allerdings stolperte er den Ball nach einer Flanke eher ins Tor als dass er große Fußballkunst zelebrierte. Dafür fiel sein Jubel umso größer aus.

Die Freiburger Fans feierten ihr Team zufrieden. Robin Dutt nicht. „Der Ärger überwiegt schon“, sagte Freiburgs Trainer. „Wenn wir so überlegen sind, dürfen wir keine zwei Punkte liegen lassen.“

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