Sport : Freigeschossen

Eisbär Florian Busch und sein Lernprozess

Claus Vetter

Berlin - Hinter der Tür schimpfte Trainer Pierre Pagé, vor der Tür freute sich Florian Busch. Die Szenen, die sich am Donnerstagabend rund um die Umkleidekabine der Eisbären abspielten, passten nicht zusammen. Pagé war unzufrieden, weil sein Team im dritten Play-off-Halbfinalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft nicht „das gespielt hat, was es eigentlich kann“. Stürmer Busch wiederum war „glücklich“, weil er beim Berliner 4:2 gegen den ERC Ingolstadt das letzte Tor geschossen hatte. Ein Tor, das die Eisbären in der Serie „Best of five“ 2:1 in Führung brachte, und ein Tor, das für Busch wichtig war, weil es sein, wie er sagt , „erstes richtiges Tor“ nach 115 Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war.

Seinen ersten Treffer für die Eisbären hatte Busch am 15. September 2003 in Köln geschossen. „Was aber nicht schwer war, weil die ihren Torwart rausgenommen hatten“, erzählt der gebürtige Bayer. Trotzdem, vergangene Saison war in der Karriere des Jungprofis noch alles in Ordnung. Busch sah sich auf direktem Weg nach oben, er war der beste aller Teenager im Berliner Team. In diesem Jahr änderte sich aber vieles für den von Trainer Pagé hochgelobten Stürmer. Busch stagnierte in seiner Leistung, spätestens nachdem er mit dem Junioren-Team bei der WM in den USA aus der A–Gruppe abgestiegen war. Als er im Januar, gerade mal 20 Jahre alt, aus den USA zurückkam, durfte er zunächst nur noch im Oberligateam der Eisbären spielen.

Doch Busch hat sich zurückgekämpft. Das Tor gegen Ingolstadt empfand er als „eine Befreiung, denn als Stürmer wirst du nun mal an Toren gemessen“. Dann sagt Busch aber auch, dass er das falsch finde: „Ein defensiv ausgerichteter Stürmer, der perfekt nach hinten arbeitet, ist genauso wichtig wie ein Torjäger.“ Und da war er wieder, der flapsige Busch, der mal als Nachwuchsspieler in Mannheim Ärger bekam, weil er es angeblich mit der Disziplin abseits der Eisfläche nicht so eng sah. Der Busch eben, der sich längst in der Rolle eines ganz großen Profis sieht. „Nein“, sagt Florian Busch. „Ich habe nicht gesagt, dass ich schon so weit bin.“ Sein Lernprozess sei nicht abgeschlossen. Womit Busch schon sehr viel gelernt hat.

Wobei sein Trainer am Donnerstag der Meinung war, dass seine Spieler etwas verlernt hatten. „Zehn Minuten haben wir gut gespielt, dann haben wir Ingolstadt spielen lassen“, sagte Pagé. „Einige hätten besser Geld für eine Eintrittskarte ausgegeben sollen. Von der Tribüne aus hätten sie Ingolstadt komfortabler zuschauen können.“ Bei aller Aufregung um die nicht optimale Berliner Leistung: Der 4:2-Erfolg war Resultat einer Teamleistung, an der auch die vierte Reihe um Busch beteiligt war – gegen einen Gegner, der sich zu sehr auf seine Stars Marco Sturm und Jamie Langenbrunner verließ. Für die Eisbären spricht ihre Ausgeglichenheit und für sie spricht laut Pagé, „dass wir besser spielen können als am Donnerstag.“ Wahrscheinlich müssen die Berliner morgen in Ingolstadt auch besser spielen, wenn sie mit einem Sieg in Spiel vier der Serie gegen die Bayern den Einzug in die Finals der DEL schaffen wollen.

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