Sport : Freiheit für den Fußball

Manfred Amerell

12. Spieltag, Hamburger SV gegen Borussia Mönchengladbach. Beide Mannschaften und ihre Trainer an der Außenlinie stehen unter Druck, das Spiel ist zerfahren. Schiedsrichter Florian Meyer unterbricht trotzdem selten und zeigt nur dreimal Gelb. Was muss zusammenkommen, damit ein Spiel so unaufgeregt ablaufen kann, Herr Amerell?

So ein Spiel sieht man wirklich selten. Beide Mannschaften haben trotz des hektischen Rhythmus von Beginn an die Spielleitung des Schiedsrichters angenommen. Florian Meyer hat ihnen die Freiheit gelassen, Fußball zu spielen, und die Spieler haben das Angebot angenommen. Es gab im ganzen Spiel nur eine Behandlungsunterbrechung. Reklamiert und lamentiert wurde auch nicht. Ich war als Schiedsrichter-Coach im Stadion, es war wie Kurzurlaub. Florian Meyer hat mir nachher erzählt, dass er Spieler wegen einer Szene oft gar nicht mehr ansprechen konnte, weil sie lieber weiterspielen wollten. Er hat da, wo er musste, Gelb gezeigt, aber Sanogo und Degen nicht streng nach der Regel 1+1= Gelb-Rot vom Platz gestellt, als es in seinem Ermessensspielraum lag. Oft kann der Schiedsrichter nicht anders, als hart durchzugreifen, auch wenn es dann hinterher heißt, er habe das Spiel kaputtgepfiffen. Aber die Spieler nehmen zu selten die ihnen angebotenen Freiräume an. Insofern stand dieses Spiel auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, auch wenn es technisch nicht so anspruchsvoll war. Selbst die Trainer auf den Bänken haben sich optimal verhalten. Und Hamburgs Trainer Doll hatte verstanden, wann er Sanogo auswechseln musste.

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