Sport : Freire stiehlt Zabel die Schau

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Von Hartmut Scherzer

Saarbrücken. Einem phantastischen deutschen Tour-Fest auf 128 Kilometern durchs Saarland fehlten zwei Sekunden zur Krönung. Erik Zabel zerrte am Gelben Trikot, konnte es aber dem jungen Schweizer Rubens Bertogliati in Saarbrücken nicht entreißen. Dazu hätte der Telekom-Star im Massensprint der zweiten Etappe der Tour de France wenigstens Zweiter werden müssen. Doch in einem so genannten Königssprint hatten Weltmeister Oscar Freire (Spanien) und der Australier Robbie McEwen auf den letzten fünfzig Metern die schnelleren Beine.

Kein Etappensieg, kein „Maillot Jaune“, worauf die deutsche Radsport-Gemeinde und über eine Million Schaulustige im Saarland gehofft hatten – dafür stand Erik Zabel nach seinem dritten Rang bereits zum 79. Mal im Grünen Trikot auf dem Podium. „Der Druck ist enorm, aber er ist ja auch schön und ich kann ihm Stand halten“, sagte Erik Zabel lächelnd über all die Erwartungen. „Die Chance auf das Gelbe Trikot ist ja immer noch da.“ Wenn nicht am 32. Geburtstag, wenn nicht beim Heimspiel in Deutschland, vielleicht gelingt es dem Kapitän des Teams Telekom heute in Frankreich, in Reims. 1998 hatte der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots für einen Tag das Gelbe getragen.

Der Sprint schien perfekt lanciert für Erik Zabel auf der 700 Meter langen Zielgeraden. Danilo Hondo und Gian Matteo Fagnini führten ihren Chef an der Spitze in höchstem Tempo dem Zielstrich entgegen. Zabel und McEwen schossen links und rechts vorbei. Mit einem „sprint royal“ raste jedoch Freire von hinten heran und überholte mit explosivem Tritt Zabel und McEwen. „Ich bin eher zu spät als zu früh aus Fagninis Windschatten gegangen. Es wäre besser gewesen vom Hinterrad, aus dem Sog, zum Endspurt anzutreten“, sagte Zabel. „Wie es Freire und McEwen gemacht haben. Die Frage bleibt, ob ich dann noch an ihnen vorbeigekommen wäre. Die beiden waren heute besser.“

Sportdirektor Rudy Pevenage sagte: „Alles richtig gemacht, aber Freire und McEwen haben sich clever an Zabels Hinterrad gehalten und ihre Chance genutzt." Durch die Reihenfolge des Sprintfinales mit den Zeitgutschriften von 20, 12 und 8 Sekunden behielt der 23-jährige Rubens Bertogliati, der am Vortag Zabel und das Team Telekom in Luxemburg überrumpelt hatte, das Gelbe Trikot. Wie es sich für einen Tour-Leader gehört, hatte sich der Tessiner mit seiner Mannschaft Lampre-Daikin den ganzen Tag über an der Spitze des Feldes gezeigt.

Auch ein anderer Deutscher hatte Ambitionen auf den Tagessieg in Deutschland: Jens Voigt. 31 Kilometer vor dem Ziel hatte der Mecklenburger attackiert und einen Vorsprung von fast einer Minute herausgestrampelt. Doch Telekom machte Jagd auf den Landsmann aus der französischen Mannschaft Credit Agricole und dessen Ambitionen vor den letzten zehn Kilometern zunichte. Während vorne Voigt davonstürmte, quälte sich hinter dem Peloton sein Teamkamerad Thos Hushovd mit Wadenkrämpfen – Folge der Flucht mit den beiden Franzosen Chavanel und Berges über 150 der 181 Kilometer. Nach elf Kilometern war das Trio ausgerissen, hatte zeitweise fünf Minuten Vorsprung. Der Norweger Hushovd wurde zur Symbolfigur für die „Tour der Leiden“, stieg immer wieder vom Rad, ließ sich die Muskeln massieren, trat zeitweise nur mit einem Bein die Pedale. Trotz 19:22 Minuten Rückstand rettete sich der wackere Mann gerade noch innerhalb der Karenzzeit als 189. und Letzter ins Ziel. Und darf sich weiter quälen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen feierte das Saarland. An der Brücke von Schengen über die Mosel empfingen Innenminister Otto Schily und Ministerpräsident Peter Müller die Tour. Menschenmassen und eine Begeisterung wie vor zwei Jahren nach Freiburg begleiteten das Peloton. „Wahnsinn, diese Kulisse“, sagte Udo Bölts. Wenn die Zuschauer auch nicht mit dem begehrtesten Hemd des Sports belohnt wurden – St. Wendel schmückte sich mit einem Gelben Trikot fürs Guiness-Buch der Rekorde, ausgebreitet auf 3000 Quadratmetern einer Wiese.

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