Sport : Freiwürfe hinter Gittern?

Basketballstar Dirk Nowitzki könnte demnächst im Hofer Gefängnis trainieren

Benedikt Voigt

Berlin – In der Justizvollzugsanstalt Hof gibt es vier Basketball-Körbe. „Zwei im Außenbereich und zwei in der Halle“, erzählt Anstaltsleiter Dieter Waas. Das Basketballfeld in der Sporthalle ist klein, „aber mit einem ordentlichen Schwingboden ausgestattet“, sagt der Anstaltsleiter. Die Frage nach Gitterstäben vor den Fenstern der Sporthalle erübrigt sich. „Sie können davon ausgehen, dass vor den Fenstern einer bayerischen Justizvollzugsanstalt Gitter angebracht sind“, sagt Dieter Waas. Hinter diesen Gitterstäben könnte sich demnächst der deutsche Basketballstar Dirk Nowitzki mit seinem Trainer Holger Geschwindner auf die Europameisterschaft (16. bis 25. September) vorbereiten.

Heute entscheidet das Landgericht Hof über eine Haftbeschwerde von Holger Geschwindner, die sein Anwalt Dieter Hoffmann eingereicht hat. Der Mentor, Manager und Trainer von Dirk Nowitzki sitzt seit dem 19. Juli wegen Flucht und Verdunkelungsgefahr in der JVA Hof in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Geschwindner wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Der Termin für die Haftbeschwerde ist zweimal auf Bitten des Anwalts verschoben worden, zuletzt am Dienstag. „Der Verteidiger wollte noch einmal persönlich Stellung nehmen, das ist schon ungewöhnlich“, sagt der Vizepräsident des Landgerichts Hof, Gerhard Götz.

Nowitzki hält sich gegenwärtig zum Werbespot-Dreh im Trainingslager der Nationalmannschaft auf Mallorca auf. Zuletzt übte der Power Forward der Dallas Mavericks mit einigen Nationalspielern. Ohne Trainer. „Ich bin mit Holger jetzt schon über zehn Jahre zusammen, ich kenne über die Jahre auch viele Übungen“, sagt Nowitzki. Mit dem Nationalteam darf er aus versicherungsrechtlichen Gründen erst ab dem 23. August trainieren. Deshalb möchte er, falls Geschwindner heute nicht freikommt, tatsächlich im Gefängnis trainieren. Eine Szene, wie sie sonst nur in Hollywood-Filmen vorkommt. Doch Nowitzki sagt gestern dem DSF: „Das ist überhaupt kein PR-Gag, ob das stattfinden kann oder nicht werden wir in den nächsten Wochen sehen.“

Beim Anstaltsleiter der JVA Hof ist bisher noch kein Antrag eingegangen. „Da müssten noch viele Fragen geklärt werden“, sagt Waas, „zum Beispiel müsste man mit dem Basketball-Bund klären, wie wichtig diese Geschichte ist.“ Fraglich ist auch, ob ein Training überhaupt mit der Aufgabe eines Gefängnisses vereinbar ist. „Normalerweise ruhen die Geschäfte bei einem Aufenthalt in der JVA“, sagt Waas. Der 56-Jährige ist durchaus interessiert am Basketball, er weiß, dass die beste Zeit seiner Heimatmannschaft Bayreuth seit 15 Jahren vorbei ist. Trotzdem will er sich kein Autogramm holen, falls Nowitzki tatsächlich in seiner Anstalt üben sollte. „Das bekomme ich ja automatisch, wenn er einen Antrag stellt“, sagt Waas. Ein solcher muss nämlich von Nowitzki unterschrieben sein.

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