Sport : Fremdeln im Ostseestadion

Bayern siegt routiniert, Rostock spielt mit Auswärtstaktik – nur ohne Erfolg

Felix Enderlin

Rostock. Eine Stunde nach Schlusspfiff war Oliver Kahn in einer anderen Welt. In einer Welt, die keine Worte kennt. Mit Kopfhörer kam er aus der Umkleidekabine im Ostseestadion geschlurft, die Segeltuchtasche lässig geschultert. Gewöhnlich reckt sich dem Torwart des FC Bayern ein ganzer Strauß von Mikrofonen entgegen; an diesem Samstagnachmittag jedoch musste Kahn sich nicht den Weg zum Mannschaftsbus bahnen. Der Walkman als Symbol der Kommunikationsverweigerung war verstanden worden. Die Kameralampen blieben ausgeknipst, nur ein paar Schulkinder wagten es, den mürrisch blickenden Torwart um ein Autogramm zu bitten.

Kahn hatte seine Ansprache schon auf dem Spielfeld gehalten, kurz nachdem der 1:0-Sieg der Bayern gegen Hansa Rostock feststand. „Wir haben hier in Rostock einen Anfang gemacht", hatte Kahn verkündet. „Wir gehen am Mittwoch nach Mailand, und ich bin sicher: Wir werden gewinnen." Punkt. Damit war das Thema des Tages genannt. Die Champions League beschäftigt die Bayern so sehr, dass das Spiel in Rostock schnell in Vergessenheit geriet. Am Mittwoch müssen die Münchener beim AC Mailand gewinnen, um eine Chance auf den Verbleib in der Champions League zu behalten.

Wie groß der Erfolgsdruck ist, zeigte sich nicht nur an Kahn. Manager Uli Hoeneß befreite sich von der Last, indem er nur so vor sich hin sprudelte und alles an diesem Nachmittag lobenswert fand: Den glücklosen Torjäger Elber („er hat unheimlich viel gearbeitet"), den grippegeschwächten Regisseur Ballack („er hatte sich schon in den Länderspielen für Deutschland aufgeopfert – wie so viele von uns), ja sogar Referee Weiner, der den Bayern einen berechtigten Strafstoß versagt hatte, wurde mild behandelt: „Die Schiedsrichter haben es ja auch schwer."

Rostock taugte nur bedingt als Sparringspartner für das Milan-Match. In seiner Rolle als Gastgeber spielte Hansa nämlich erstaunlich schüchtern. Zu keinem Zeitpunkt der Partie erweckte die Mannschaft von Trainer Armin Veh ernsthaft den Eindruck, Bayern schlagen zu wollen. Nahezu das komplette Team verkroch sich in der eigenen Hälfte und lauerte auf Konter. Diese Taktik war weder erfolgreich noch attraktiv.

Hansa gibt Rätsel auf: Das Team kann schönen Kombinationsfußball spielen und verfügt über die beste Auswärtsbilanz der Liga: 10 ihrer 13 Punkte holten die Rostocker auswärts. Im Ostseestadion kassierten sie zuletzt vier Niederlagen in Serie. „Es sieht so aus, als hätten wir einen Heimkomplex", sagt Veh. An der ängstlichen Spielweise seiner Mannschaft trägt er Mitschuld. Vor dem Spiel hatte er scherzhaft gesagt, seine Mannschaft solle am besten in die Gästekabine ziehen, um „das perfekte Auswärtsgefühl" zu bekommen. Hansa verhielt sich wie ein Fremdling im eigenen Hause - allerdings ohne entsprechenden Erfolg.

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