French Open : Andrea Petkovic kämpft sich ins Achtelfinale

"Wie ein Zombie" hat sich Andrea Petkovic gefühlt - und schafft es trotz einer Magen-Darm-Grippe gegen die Französin Kristina Mladenovic in die zweite Turnierwoche in Paris.

Petra Philippsen
Andrea Petkovic steht bei den French Open im Achtelfinale.
Andrea Petkovic steht bei den French Open im Achtelfinale.Foto: AFP

Schon die Nacht war schwer gewesen für Andrea Petkovic. In ihrem Körper arbeitete es, sie schwitzte fürchterlich, im Magen rumorte es. Ein Virus, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Mitten in einem Grand Slam, genau vor ihrem allerersten Auftritt auf dem Court Philipp Chatrier in Roland Garros. „Ich wollte es so genießen, dieser schöne Platz und die tolle Atmosphäre“, sagte Petkovic, „aber ich war gar nicht da. Ich war wie ein Zombie.“ Direkt vor ihrer Drittrundenpartie gegen die Französin Kristina Mladenovic fühlte sich die Darmstädterin auch noch fiebrig, völlig schlapp. „Die Toilette ist seit gestern mein bester Freund“, scherzte sie. Eigentlich wollte sie sich nur noch hinlegen, bloß nicht bewegen. Doch Petkovic zwang sich, sie wollte unbedingt spielen. Irgendwie, denn die Chance gegen die Nummer 103 der Welt war zu verlockend. Auch wenn diese in der ersten Runde Li Na aus dem Turnier geworfen hatte. Und Petkovic quälte sich, fast zweieinhalb Stunden lang. Doch sie biss sich am Ende durch zum 6:4, 4:6 und 6:4-Sieg über Mladenovic.

Nervenprobe im dritten Satz

„Ich habe das jetzt noch gar nicht realisiert“, meinte Petkovic völlig entkräftet, „das dauert sicher noch bis morgen. Ich fühle mich gerade nur total leer.“ Es war gleich doppelt schwer gewesen, denn nicht nur ging es ihr hundeelend – auch die 15 000 Zuschauer im Stadion waren gegen Petkovic und feuerten wie üblich ihre Landsfrau an. Doch die Deutsche bekam das gar nicht richtig mit, sie dachte nur an ihren Körper und wie sie den nächsten Punkt überstehen konnte. „Ich habe mir die ganze Zeit nur gesagt: ,Versuch es einfach, halte durch. Nur 15 Minuten noch...’“ Besonders der dritte Durchgang wurde zur Nervenprobe, mit sechs Breaks. Beim Stand von 5:3 schlug Petkovic zum Matchgewinn auf, doch die gab ihr Service zu null ab. Nur noch der pure Wille hielt sie auf den Beinen. Beim zweiten Matchball kam ihr Mladenovic mit einem Vorhandfehler zu Hilfe. Petkovic reckte nur die Hand hoch. Kein ausgelassener Jubel, keins ihrer Tänzchen. Sie konnte einfach nicht mehr, sie war irgendwie gar nicht da.

In Paris ist noch vieles möglich

Doch sie hatte sich zurückgemeldet, denn seit den US Open 2011 schaffte es die 26-Jährige nicht mehr die zweite Woche eines Grand Slams. Damals stand sie sogar auch noch in Australien und den French Open jeweils im Viertelfinale. Doch dann folgten schwere Verletzungen und zehrende Reha-Maßnahmen, nach denen sich Petkovic immer wieder zurückkämpfte. Nur bei den Grand Slams stimmten die Leistungen noch nicht, bis jetzt. „Es ist einfach eine schöne Bestätigung, dass ich nun auch auf der großen Bühne zurück bin“, sagte Petkovic, „darüber bin ich super glücklich.“ Und ihr Lauf könnte in Paris noch weiter gehen, denn nachdem die großen Favoritinnen früh strauchelten, scheint vieles möglich.

Im Achtelfinale wartet am Montag mit der niederländischen Qualifikantin Kiki Bertens die Weltranglisten-148. auf Petkovic. Als Nummer 27 der Welt und ehemalige Top-Ten-Spielerin ist ein Sieg für die Deutsche eigentlich Pflicht. Wäre da nicht der leidige Magen-Darm-Virus. „Ich hoffe, das ist nur so ein Zwei-Tage-Ding“, meinte Petkovic, „mein Bauch fühlt sich schon etwas besser an.“ Den Ruhetag wird sie nutzen, um den dehydrierten Akku wieder auffüllen und den Zombie wieder zum Leben zu erwecken.

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