French Open : Carina Witthöft ist die letzte deutsche Hoffnungsträgerin

rina Witthöft hat ihre Karriere minutiös geplant. In Paris trifft die letzte Deutsche im Turnier heute auf Favoritin Karolina Pliskova.

Carina Witthöft ist die letzte Deutsche im Turnier.
Carina Witthöft ist die letzte Deutsche im Turnier.Foto: dpa

Die französischen Fans auf den Rängen des Court No. 1 hatten sich große Mühe gegeben, um Carina Witthöft aus dem Konzept zu bringen. Unermüdlich skandierten die knapp 4000 Zuschauer in der Stierkampfarena „Pauline, Pauline“ für ihre Landsfrau Pauline Parmentier und das Echo schlug sich in der dichten Atmosphäre des Rings in einem Dauerhall wider. Es ist der beliebteste Platz in Roland Garros, nirgendwo ist die Enge spürbarer und nirgendwo ist der Zuschauer so dicht dran am Geschehen. Das kann leicht einschüchtern, doch Witthöft behielt ihre Mission klar vor Augen und brachte die Französin mit ihren druckvollen Schlägen stetig in Bedrängnis.

Nach knapp zwei Stunden Spielzeit durfte dann der deutsche Mini-Fanblock jubeln, denn Witthöft gewann mit 6:4 und 7:5. Als einzige deutsche Spielerin steht die 22-jährige Hamburgerin nun in der dritten Runde der French Open, seit neun Jahren hatten die DTB-Profis nicht mehr so schlecht in Paris abgeschnitten. Witthöft tangiert das eher wenig. „Wir spielen doch alle für uns selbst“, meinte sie.

Die Aufmerksamkeit, die sie nun beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt erfährt, gefällt ihr allerdings gut. Die 1,76 Meter große Blondine wird inzwischen von der Agentur Jung von Matt/Stars unter der Führung von Ex-Fußballprofi Arne Friedrich gemanaged, die Witthöft zu einer Marke aufbauen will. Kritiker monieren allerdings, dass Witthöft oft größeren Wert auf ihre Wirkung in den sozialen Medien zu legen scheint als auf schweißtreibende Trainingsarbeit. Auch in Paris postete sie attraktiv inszenierte Fotos von sich beim Stadtbummel am Arc de Triomphe, und nichts wirkt dabei dem Zufall überlassen.

73. der Weltrangliste

So hatte ihre Tenniskarriere auch begonnen. Ihre Eltern betreiben zwei Tennishallen im Hamburger Stadtteil Jenfeld. Vater Kai regelte die Termine seiner Tochter, Mutter Gaby arbeitete auf dem Platz mit ihr und begleitete sie zu den Turnieren. Die sehr enge Bindung zu ihren Eltern sahen viele Beobachter kritisch, ihr Freund Philipp Lang fungierte zudem als Sparringspartner mit Trainerambition.

Witthöft beendete während der Sandplatzsaison die Beziehung zu ihm und arbeitet nur noch mit Jacek Szygowski als Coach. „Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft“, sagt Witthöft. Doch bisher fehlt Witthöft die Konstanz in ihrem Spiel. In den Top 50 stand sie im August 2015 bereits, und bei jedem der vier Grand Slams hat sie es nun einmal bis in die dritte Runde geschafft.

Heute wird sie gegen die tschechische Weltranglistenzweite Karolina Pliskova allerdings beweisen müssen, dass sie auch mit den Großen mithalten kann. Bisher beschränkte sich Witthöfts Erfahrung mit Topspielerinnen nur auf Angelique Kerber. „Ich freue mich auf die Partie“, sagte die derzeit 73. der Weltrangliste und fügte selbstbewusst hinzu: „Ich denke, ich habe die Mittel gegen sie.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben