Sport : French Open: Clinton kam - Agassi ging

Als Bill Clinton sich gesetzt hatte, nahm das Unheil für Andre Agassi seinen Lauf: Nach fehlerlosem Auftakt brach der French-Open-Sieger von 1999 am Mittwoch völlig ein und scheiterte unter den Augen des ehemaligen US-Präsidenten im Tennis-Viertelfinale von Paris sang- und klanglos mit 6:1, 1:6, 1:6, 3:6 am Franzosen Sebastien Grosjean. "Ich habe gut gespielt, er war besser und hat fast alles getroffen", sagte Agassi einsilbig, bevor er die Anlage von Roland Garros fluchtartig verließ. Einen Zusammenhang zwischen seiner schwankenden Leistung und dem Erscheinen von Clinton wies Agassi zurück: "Das haben Sie heraus gefunden", raunzte er Journalisten nach der Niederlage gegen Grosjean an.

Der Halbfinalist der Australian Open trifft am Freitag auf den Spanier Alex Corretja. Das zweite Semifinale bestreiten in einem vorweg genommenen Endspiel Titelverteidiger Gustavo Kuerten aus Brasilien und der Spanier Juan Carlos Ferrero.

Agassi erwischte gegen Grosjean einen Traumstart und holte sich in nur 20 Minuten den ersten Durchgang. Dann nahm Clinton auch für Agassi überraschend in der ersten Reihe Platz und erlebte, wie der Nummer eins im Champions Race plötzlich die einfachsten Dinge nicht mehr gelangen. Der Sieger der Australian Open wirkte - nur wenige Meter entfernt von Clinton - wie gelähmt gegen den 23-jährigen Lokalmatador, der sich unter dem Jubel der 15 000 Zuschauer in einen Rausch spielte. Nach nur weiteren 45 Minuten hatte sich Grosjean einen 2:1-Satzvorsprung geholt.

Clinton verließ nach dem dritten Satz unter Pfiffen seinen Platz, kehrte aber zurück, nachdem Agassi zwei Chancen zu einem zweiten Break und einem möglichen 3:0-Vorsprung in Durchgang vier verpasst hatte. Der einst mächtigste Mann der Welt schlug die Hände vor das Gesicht, als sein Landsmann kurz darauf mit zwei Doppelfehlern das 2:2 kassierte. Es kam noch schlimmer: Mit einem weiteren Doppelfehler und einer verschlagenen Rückhand kassierte Agassi das Break zum 3:5. Mit einem Ass nutzte Grosjean nach 1:50 Stunden seinen ersten Matchball zum bisher größten Triumph.

Alex Corretja hatte seinem Vater zuvor das passende Geburtstagsgeschenk gemacht. Der Finalist von 1998 zog mit dem 7:5, 6:4, 7:5 über den Schweizer Roger Federer zum zweiten Mal in die Runde der letzten Vier ein. Damals hatte Corretja Cedric Pioline bezwungen, der als letzter Franzose in Roland Garros so weit gekommen war.

Corretja wiederholte gegen Federer seinen Erfolg aus dem Achtelfinale des vergangenen Jahres und feierte im vierten Duell seinen dritten Erfolg. Die 27 Jahre alte Nummer 13 der Weltrangliste musste in Paris bisher nur in der ersten Runde beim Fünf-Satz-Sieg über den Argentinier Mariano Zabaleta zittern. In allen folgenden Spielen, darunter auch in Runde zwei gegen Jens Knippschild, setzte sich der klug und konzentriert spielende Corretja glatt durch. Der 19-jährige Federer besaß zu keiner Zeit der 2:41 Stunden langen Partie eine echte Chance, als zweiter Schweizer nach Marc Rosset 1996 das Halbfinale von Paris zu erreichen.

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