French Open : Dinara Safina: Unbewiesen Erste

Dinara Safina verliert im Finale gegen Swetlana Kusnezowa. Schon bei ihren beiden Grand-Slam-Finalteilnahmen zuvor war sie unterlegen. Trotzdem steht die Russin weiterhin an Rang eins der Weltrangliste.

Petra Philippsen[Paris]
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Geschafft. Kusnezowa gewinnt ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Safina bleibt chancenlos.Foto: dpa

Wie erstarrt kauerte Dinara Safina auf ihrer Bank, die ersten Tränen kullerten ihr über die Wangen. Verzweiflung lag in ihrem Blick, mit dem sie ihren Trainer Zeljko Krajan anstarrte, doch mehr als eine aufmunternde Geste aus der Ferne blieb diesem nicht. Es war vorbei, und Safina wusste es. Glauben konnte sie es trotzdem nicht, sie wirkte wie in Trance.

Ob sie realisierte, dass Swetlana Kusnezowa derweil die Tribüne hochkletterte und ihren Anhang überglücklich umarmte, sich dann eine russische Flagge schnappte und freudig eine Ehrenrunde auf dem Court Philippe Chatrier drehte, ist fraglich. Ion Tiriac zumindest hatte genug gesehen. Mürrisch schulterte der Manager von Safina seinen übergroßen Regenschirm und verließ die Tribüne. Dass seine Spielerin das Finale der French Open mit 4:6 und 2:6 verloren hatte, amüsierte den mächtigen Tennis-Strategen keineswegs.

Dabei hatte es Safina so sehr gewollt. Nichts wünschte sie sich mehr, als endlich einen großen Titel zu gewinnen. Einen Titel, der die ständig wiederkehrende Frage verstummen lassen würde. Jene, ob sie denn tatsächlich zu Recht die Weltranglistenerste sei. Sie führte dann stets gebetsmühlenartig ihre guten Ergebnisse an, dass sie 20 ihrer letzten 21 Matches gewonnen hatte, seit sie im April erstmals den Spitzenplatz übernahm. Dass sie seit Mai vergangenen Jahres 13 Mal im Finale gestanden und dabei sechs Titel gewonnen hatte. Und auch in Paris war sie überzeugend aufgetreten, bis zum Achtelfinale gab sie nur fünf Spiele ab. Doch es sollte alles nicht reichen, das spürte Safina, ohne einen Grand-Slam-Titel war sie den Beweis schuldig geblieben.

„Sie hat mit zu viel Druck gespielt, ich hatte einfach Spaß. Das war wohl der Unterschied“, erklärte Kusnezowa, die bei den US Open 2004 ihren ersten Triumph gefeiert hatte. Für Safina war es das dritte Finale bei einem der vier wichtigsten Turniere, nachdem sie im Januar bei den Australian Open Serena Williams unterlag und sich auch vor einem Jahr bei den French Open Ana Ivanovic geschlagen geben musste. Damals war die junge Serbin die Nummer eins gewesen und für Safina begann gerade erst der Durchbruch in die Top Ten. Ihr erstes Finale überforderte sie, doch zwölf Monate später wiederholte sich das Bild.

Safina agierte nervös, verstrickte sich fluchend in Selbstgespräche und blickte hilfesuchend zu Krajan. Ihr schwacher Aufschlag machte an diesem Tag den Unterschied in einem Pariser Endspiel, das einmal mehr den Glanz vermissen ließ. Mit ihrem siebten Doppelfehler beendete Safina den mäßig spannenden Schlagabtausch der beiden Russinnen. „Ich war mental einfach nicht stark genug. Ich selbst habe das Match verloren“, sagte Safina später und kämpfte immer noch mit den Tränen.

„Das Damentennis braucht eine Chefin, eine Spielerin, die oben steht und viele Turniere gewinnt“, hatte die viermalige Siegerin Justine Henin zu Beginn des Turniers gefordert. Der überraschende Rücktritt der belgischen Nummer eins vor einem Jahr löste an der Spitze der Rangliste ein beispielloses Wechselspielchen aus, das das Damentennis in diesen Wochen lähmt.

Safina hatte zuletzt vehement darum gekämpft, sich als konstante Führungsspielerin im Damentennis zu etablieren. Trotz der Niederlage in Paris bleibt Safina die Nummer eins der Weltrangliste. In Wimbledon bekommt sie eine neue Chance, die kritischen Stimmen zu vertreiben. „Ich wollte einfach nur gewinnen, doch ich habe versagt“, erklärte Dinara Safina mit leiser Stimme. „Aber morgen ist ein neuer Tag.“

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