French-Open-Finale gegen Rafael Nadal : David Ferrer, der Ackergaul im Schatten

Tennisprofi David Ferrer wird stets von Rafael Nadal überstrahlt. Er selbst glaubt kaum, dass sich das im Finale am Sonntag ändern wird. "Es ist auf jedem Belag schwer, Rafael zu schlagen", sagt er, "aber auf Sand ist es am schlimmsten."

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Friend Open. David Ferrer spielt im Finale gegen seinen Kumpel Rafael Nadal.
Friend Open. David Ferrer spielt im Finale gegen seinen Kumpel Rafael Nadal.Foto: AFP

Die Tage von Roland Garros verliefen für David Ferrer im Grunde so, wie er die meisten seiner Grand-Slam-Turniere in den vergangenen zehn Jahren erlebt hatte. Der Spanier gewann souverän Runde um Runde, schaffte es bis ins Viertel-, sogar ins Halbfinale, und wie immer nahm eigentlich niemand Notiz von ihm. Die ganze Aufmerksamkeit absorbieren die großen Stars wie Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und selbst Andy Murray, obwohl dieser in Paris verletzt fehlt. Ferrer ist seit Jahren als Nummer fünf der Welt ihr ärgster Verfolger, und doch scheinen zwischen ihm und den besten vier Welten zu liegen. Zumindest empfindet es Ferrer selbst so, sogar jetzt noch, da er heute bei den French Open gegen Nadal in seinem ersten Grand-Slam-Finale steht. „Ich bin ein guter Spieler“, sagt Ferrer, „aber die Top vier spielen auf einem völlig anderen Level.“

Tatsächlich wirkt Ferrer im Kreise der Besten ein bisschen wie ein wackerer Ackergaul unter edlen Rennpferden. „Die Leute sehen in ihm nur das Arbeitspferd“, sagt Murray über ihn, „aber er hat sich enorm weiterentwickelt und bekommt dafür nicht genug Anerkennung.“ Ferrer weiß, dass er über kein spektakuläres Spiel verfügt. Und die Leichtigkeit eines Federer hat er schon gar nicht. Bei Ferrer sieht jede Vorhand, jeder Sprint nach Knochenarbeit aus. Und das ist es auch. Kaum ein Spieler ist so fit wie er, dabei ist er schon 31 Jahre alt. Er wühlt, er rackert, er gibt nie auf. Niemand spielt gerne gegen Ferrer. Erbarmungslos hetzt er jedem Ball hinterher und kriegt die meisten noch. Seine Schläge sind kompakt, seine Platzaufteilung ist hervorragend. Ferrer gilt zudem als einer der besten Returnspieler, und das trotz seiner eher geringen Körpergröße von 1,75 Meter. „David wird immer ein wenig unterschätzt“, sagt Federer, und das mag auch daran liegen, dass Ferrer sehr bescheiden und höflich auftritt.

Dass er im Rampenlicht des großen Nadals immer ein Schattendasein führte, stört Ferrer indes überhaupt nicht. Anders als der spanische French-Open-Sieger Juan Carlos Ferrero seinerzeit, der Nadal dessen Erfolg immer geneidet hatte, sagt Ferrer: „Rafael ist so außergewöhnlich, er hat das alles verdient. Auch die Aufmerksamkeit bei uns in Spanien.“ Von jeher sind die beiden sehr eng befreundet, auch weil Nadal nach seinen elf Grand-Slam-Titeln nicht die Bodenhaftung verloren hat. Im Gros der spanischen Spieler auf der Tour ist Nadal immer noch einer von ihnen. In vielerlei Hinsicht haben sie von ihrem Ausnahmekönner auch profitiert. „Rafael treibt uns immer an, wir sollen mehr tun, mehr arbeiten und besser werden“, sagt Ferrer. Mit Erfolg, 13 Spanier stehen unter den Top 100.

Dennoch steht Nadal für Ferrer auf einem Sockel, und so recht scheint er nicht daran zu glauben, dass er ihn heute in Roland Garros dort hinunterstoßen kann. „Es ist auf jedem Belag schwer, Rafael zu schlagen“, sagt er, „aber auf Sand ist es am schlimmsten.“ Einmal war es Ferrer sogar gelungen, im ersten ihrer bisher 23 Duelle: im Jahr 2004 im Viertelfinale von Stuttgart. „Damals war Rafael noch ein Kind“, wehrt Ferrer ab, „er war gerade mal 18 Jahre alt, das zählt nicht.“ Seither hat Nadal nicht nur 41 Titel, davon sieben in Paris, auf der roten Asche gewonnen, sondern auch die letzten acht Partien gegen Ferrer gewonnen, alle auf Sand. Auch wenn es in Madrid und Rom vor kurzem über drei Sätze ging, war Ferrer am Ende weit entfernt vom Sieg. Für das heutige Finale stehen die Vorzeichen ähnlich. Das Schlimmste ist wohl, dass Ferrer Nadal seine achte Trophäe in Roland Garros von Herzen gönnen würde und vergisst, dass vor ihm die bisher größte Chance seiner Karriere liegt. „Ich bezeichne mich erst als großen Spieler, wenn ich einen Grand Slam gewonnen habe“, sagt Ferrer. Dass das am Sonntag sein wird, daran mag er jedoch nicht glauben.

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