French Open in Paris : Djokovic gegen Nadal: Das Endspiel vor dem Endspiel

Die Schwächephase von Rafael Nadal erhöht die Chancen für Novak Djokovic im Viertelfinale von Roland Garros. Druck hat aber auch der Weltranglistenerste, denn wann, wenn nicht jetzt will er den Spanier in Paris schlagen?

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Angriff aufs Ancien Régime. Stürzt Novak Djokovic heute den König von Paris?
Angriff aufs Ancien Régime. Stürzt Novak Djokovic heute den König von Paris?Foto: AFP/Kovarik

Die Franzosen haben eine besondere Affinität zu Menschen, die sich darum bemühen, französisch zu sprechen. Üblicherweise legt man ihnen diese Attitüde als Arroganz aus, schließlich verweigern sie sich ja bloß gern selbst jeglichen fremden Sprachen. Doch das schert das französische Selbstverständnis wenig, und so werden auch in Roland Garros mittlerweile die Spieler dazu genötigt, ihre Interviews nach gewonnenen Matches auf französisch an die Zuschauer zu richten. Und die machen mit, im Mühen um die Gunst des schwierigen Pariser Publikums. Novak Djokovic strengte der Parcours durch die Phrasen sichtlich mehr an, als die drei Sätze zuvor gegen Richard Gasquet. Auch Rafael Nadal radebrechte sich 100 Meter Luftlinie entfernt in der zweitgrößten Arena schwitzend durch seine Antworten. „Ich hoffe, ihr unterstützt mich am Mittwoch“, rief Nadal den Zuschauern zu. Es klang fast flehend. Er wusste, warum.

Die Franzosen hatten immer so ihre Probleme mit dem Kraftpaket aus Mallorca, neunmaliger French-Open-Champion hin oder her. Und das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ karikierte auf seinem aktuellen Titelblatt den Grund dafür: Einen Tennisspieler in Roland Garros, der nicht nur zufällig Nadal ähnlich sehen soll, aufgepumpt mit Dopingmitteln. Darüber die Zeile: „Beste Fixerstube in Paris.“ Doch die Unterstellungen des Pariser Publikums sind sicherlich Nadals geringstes Problem, wenn er am heutigen Mittwoch an seinem 29. Geburtstag zum Viertelfinalduell gegen Novak Djokovic antreten muss.

Die Auslosung hätte kaum schlimmer für Nadal kommen können, doch es war absehbar gewesen. Nach einem halben Jahr erneuter Verletzungssorgen war der Spanier erst zum Saisonbeginn auf die Tour zurückgekehrt. Und das mit Zweifeln und Ängsten, die man vom strotzenden Energiebündel sonst nicht kennt. Nadal sprach sie sogar offen aus. „Ich fühle mich unsicher und noch nicht bereit für den Wettbewerb“, sagte er. Dass er seine Schwäche zugab, machte ihn danach zu einem leichten Opfer für die Konkurrenz, und sogar sein geliebter Sandplatz brachte nicht sofort Linderung. So reiste Nadal in Paris an mit der schlechtesten Asche-Bilanz seit Teenagertagen, ohne Titel, als Nummer sieben der Welt und Sechster der Setzliste. So war es klar, dass er bereits im Viertelfinale auf einen Spieler aus den Top 4 treffen würde – und er erwischte ausgerechnet den Besten. „Novak ist in herausragender Form“, sagte Nadal, „er strotzt vor Selbstvertrauen, spielt sehr dominant und geht als Favorit in dieses Match.“

Die Auslosung hätte kaum schlimmer für Nadal kommen können

Nadal stapelt nicht zu Unrecht tief, schließlich hat Djokovic in dieser Saison überhaupt erst zwei Partien verloren und untermauerte seine Ambitionen auf Sand mit den Titeln in Monte Carlo und Rom. „Ich fühle mich fantastisch“, betonte der Serbe, der ohne Satzverlust ins Viertelfinale einzog, „und die Voraussetzungen könnten jetzt kaum besser für mich sein.“ Dennoch bleibt für den Weltranglistenersten und achtmaligen Grand-Slam-Sieger der enorme Druck: Von den Majorturnieren hat er nur in Paris noch nie gewonnen. Allein bei sechs Versuchen stand ihm Nadal dabei im Wege, zuletzt im Finale des Vorjahres. „Gegen Rafa bei diesem Turnier zu spielen, ist etwas ganz anderes“, sagte Djokovic, „er liebt den Chatrier-Court, die Bedingungen liegen ihm perfekt. Aber ich weiß, was mich erwartet.“

Zum 44. Mal treffen die beiden heute aufeinander, öfter haben sie gegen keinen Gegner gespielt. Geheimnisse gibt es nicht mehr. Und die letzten Duelle in Roland Garros waren immer enger für Nadal geworden; vielleicht verliert er nun seine zweite Partie in Paris in zehn Jahren. „Es wäre nicht das Ende der Welt“, sagte Nadal, „dann kämpfe ich eben weiter. Aber es wird ohnehin anders sein – der Sieger bekommt nicht die Trophäe, er zieht nur ins Halbfinale ein.“ Für Djokovic aber steht viel auf dem Spiel. Wenn er Nadal selbst in dieser Form erneut nicht bezwingt, werden die French Open vielleicht ein ähnlich unvollendetes Kapitel für ihn werden wie seinerzeit für seinen Coach Boris Becker.

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