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French Open : Petkovic stürmt ins Halbfinale

Nach drei Stunden Wartezeit fertigt Andrea Petkovic die Italienerin Sara Errani ab. Als erste Deutsche seit Steffi Graf steht sie damit im Halbfinale der French Open.

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Andrea Petkovic freut sich über ihr erstes Halbfinale bei einem Grand Slam.
Andrea Petkovic freut sich über ihr erstes Halbfinale bei einem Grand Slam.Foto: AFP

Als der Ball im hohen Bogen auf sie zuflog, fing Andrea Petkovic an zu beten. „Ich sagte mir nur noch: Lieber Gott, bitte, bitte, bitte, lass ihn aus gehen. Bitte!“ Und ihr inständiges Flehen wurde wohl erhört, denn der Ball plumpste ein Stückchen neben die Seitenlinie in den roten Sand. Petkovic hatte es geschafft. Mit 6:2 und 6:2 hatte die 26 Jahre alte Darmstädterin die Italienerin Sara Errani in gerade einmal einer Stunde mit einer furiosen Machtdemonstration vom Platz gefegt. Und damit steht Andrea Petkovic zum ersten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale eines Grand Slams. Seit Steffi Graf vor 15 Jahren war keine Deutsche mehr in Paris so weit gekommen. Mit einem spitzen Schrei entlud sich nach dem Matchball ihre ganze Anspannung. Freudetrunken riss Petkovic die Arme hoch, und mit ihrem strahlenden Lächeln schien sie die empfindlich kühlen Temperaturen im Court Philippe Chatrier gleich um ein paar Grad aufzuwärmen. „Ich wusste überhaupt nicht, wohin mit meinen Gefühlen“, sagte sie später. Als Erstes bekam ihr Tennisschläger mal einen dicken, dankbaren Schmatzer von ihr. „Ich habe ganz ehrlich noch nie mein Racket geküsst“, meinte sie lachend, „aber es war gerade kein Junge da – also, was sollte ich machen?“

Vor dem Spiel nahm Petkovic Schmerztabletten

Doch Andrea Petkovic dürfte sich vor potenziellen Kandidaten bald kaum noch retten können, denn nicht erst seit ihrem mitreißenden Auftritt im Viertelfinale der French Open haben sie das deutsche Multitalent in Paris ins Herz geschlossen. Mit tosendem Applaus feierten sie die Außenseiterin, die sich mehr und mehr zu einer echten Titelkandidatin mausert. Dazu müsste Petkovic jedoch gleich heute wieder eine ähnliche Höchstleistung im Halbfinale vollbringen wie gegen die italienische Weltranglisten-Elfte, die vor zwei Jahren erst im Pariser Endspiel gescheitert war. Doch anders als Errani spielt die Rumänin Simona Halep eine sehr konstante Saison und ist als Nummer vier der Welt als bestplatzierte Spielerin im Feld übrig. „Ich bin selbst gespannt, wie es laufen wird“, sagte Petkovic, „ich hätte heute aber auch nicht erwartet, dass ich ein so gutes Match spielen würde.“

Um drei Stunden hatte sich der Beginn der Partie durch das Pariser Regenwetter verzögert, doch die Pause tat Petkovic sogar gut. „Ich war so extrem angespannt“, erzählte sie, „da habe ich eine Schmerztablette genommen und noch eine Stunde geschlafen. Danach fühlte ich mich besser.“

Petkovic spielte wie im Rausch, knickte diesmal nicht ein

So gut, dass Petkovic nach einem kurzen 0:2-Rückstand das Match im Vollgas-Modus zu Ende brachte. Sechs Spiele in Folge reichten ihr zum ersten Satzgewinn, Petkovic setzte Errani vor allem beim Aufschlag extrem unter Druck. Bis zu zwei Meter weit stellte sie sich bei den Returns ins Feld und prügelte Errani die Bälle nur so um die Ohren. Die kompakte Italienerin wirkte müde und haderte bei den böigen Bedingungen mit ihrem Ballwurf. Petkovic nutzte ihre Schwäche gnadenlos aus. „Das war das erste Match, bei dem ich von ersten bis zum letzten Ball völlig fokussiert war“, meinte die Weltranglisten-27, „ich war heute wie in der Zone.“ Sie spielte wie im Rausch, ohne einzuknicken, wie es ihr früher vielleicht noch passiert wäre. „Beim 5:2 saß ich auf der Bank und fragte mich: 'Wirst du jetzt etwa nervös? Ich dachte kurz nach und sagte mir dann: 'Nein, heute nicht!’“ Dass sie auch im Halbfinale die Nerven behalten wird, glaubt Petkovic fest. „Ich komme nicht aus dem Nichts. Ich war schon in drei Major-Viertelfinals, habe drei Turniere gewonnen. Also ist es keine so große Überraschung, dass ich jetzt hier bin.“

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