French Open : Rafael Nadal ist noch drei Trophäen von Federer entfernt

Rafael Nadal hat mit dem Sieg bei den French-Open seinen 14. Grand-Slam-Titel gewonnen. Dass er mit Pete Sampras gleichzog, war nebensächlich. Es zählte nur, dass Roger Federers Bestmarke bloß noch drei weitere Trophäen entfernt ist.

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Neun Siege auf der roten Asche von Paris - kein Tennisspieler war bei den French Open erfolgreicher als Rafael Nadal.
Neun Siege auf der roten Asche von Paris - kein Tennisspieler war bei den French Open erfolgreicher als Rafael Nadal.Foto: dpa

Kurz nach der Siegerehrung ging bei Rafael Nadal nichts mehr. Alle Teleobjektive waren gebannt auf den nun neunmaligen French-Open-Champion gerichtet, und der sollte nichts weiter tun als seinen geliebten Coupe des Mousquetaires hochrecken. Aber Nadals rechter Arm wurde von Krämpfen geschüttelt, seine Beine wollten auch nicht mehr. Statt zum breiten Siegerlächeln verzog sich das Gesicht des Mallorquiners im tiefen Schmerz. Der Physiotherapeut wurde eilig herbeigerufen – als wohl erste Siegerehrungs-Verletzungspause aller Zeiten. Und irgendwie passte das zu diesem geschichtsträchtigen Tag in Roland Garros.

Nadal biss die Zähne zusammen, stemmte die 14 Kilo schwere Trophäe hoch, setzte sie schnell wieder ab und schüttelte den Schmerz so gut es ging aus den Gliedern. Und wieder von vorne. So hart hatte Nadal vor, während und nach einem Grand-Slam-Finale wohl noch nie kämpfen müssen. Doch der 28 Jahre alte Spanier hatte es geschafft. Bei seiner zehnten Teilnahme in Roland Garros gewann Nadal mit dem 3:6, 7:5, 6:2, 6:4-Sieg über Novak Djokovic seinen neunten French- Open-Titel und das zum fünften Mal in Folge.

Mit dem Willen zum Ziel

„Ich habe neun Mal gewonnen, weil ich hier so unbedingt gewinnen wollte. Und dieser Wille hat mich ans Ziel geführt“, erklärte er. Für beide Kontrahenten ging es um immens viel in ihrem siebten Major-Finale. Djokovic konnte den Spanier mit einem Sieg von Platz eins verdrängen, wichtiger war dem Serben jedoch, endlich erstmals die French Open zu gewinnen. So wurde es keine hochklassige Partie zwischen ihnen, beide wirkten extrem angespannt und litten zudem unter dem schwül-heißen Pariser Wetter. „Körperlich war ich total leer, ausgelaugt“, gestand Nadal und auch Djokovic bedauerte, dass er nicht sein „Bestes spielen konnte, als ich es dringend gebraucht hätte“.

Zum Ende des vierten Satzes kam dieser Moment, als er zum 5:5 hätte ausgleichen können. Doch er gab das Spiel wie auch das Match mit einem Doppelfehler ab. Eigentlich hatte der 27-jährige Serbe Boris Becker dafür engagiert, damit ihm solche Ausrutscher im entscheidenden Moment nicht mehr passieren. Und dennoch kassierte Djokovic nun die fünfte Niederlage aus seinen letzten sechs Grand-Slam-Endspielen. Er kämpfte mit den Tränen. Nadal konnte nicht dagegen ankämpfen. Mehrfach kullerten die Tränen, es war alles zu viel für Nadal: Der Rekord in seinem Stade Roland Garros, die stürmischen Ovationen des Publikums, und dann eigentlich das Allerwichtigste in diesem Moment – Nadal hatte seinen insgesamt 14. Grand-Slam-Titel gewonnen.

Drei Trophäen von Federer entfernt

Dass er so mit Pete Sampras gleichzog, war nebensächlich. Es zählte nur, dass Roger Federers Bestmarke bloß noch drei weitere Trophäen entfernt ist. Der magischen 17, der jagt Nadal inzwischen fieberhaft nach. Bei seiner dicken Krankenakte hatte eigentlich niemand daran geglaubt, dass der Spanier lange genug spielen könnte, um den Rekord anzugreifen. Doch nun ist Nadal in Schlagdistanz, während der bald 33-jährige Schweizer wohl kaum noch nachlegen kann.

Umso mehr hatte Nadal das verlorene Finale in Melbourne zum Saisonbeginn völlig aus der Bahn geworfen. „Ich konnte diese verpasste Chance einfach nicht akzeptieren“, meinte er, „es hat mich mental monatelang fertig gemacht.“ Die Angst trieb ihn um, dass es in Paris ähnlich laufen könnte, denn ihm ist bewusst, dass „es nur ein paar wenige Gelegenheiten gibt, und ich bin jetzt schon 28. Ewig habe ich nicht mehr Zeit.“ Vielleicht zwei gute Jahre bleiben Nadal wohl noch, in denen er probieren kann, Federer zu überflügeln. Dann hätte die Frage, wer der beste Spieler aller Zeiten ist, doch noch eine neue Antwort gefunden.

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