French Open : Roger Federer: Nass, kalt, draußen

Roger Federer unterliegt in Paris Robin Söderling und scheidet erstmals seit 2004 bei einem Grand-Slam-Turnier vor dem Halbfinale aus.

Petra Philippsen
Ein Schirm für den Champ. Roger Federer scheint sich hier verstecken zu wollen. Paris verlässt der Schweizer in diesem Jahr ohne den French-Open-Titel.
Ein Schirm für den Champ. Roger Federer scheint sich hier verstecken zu wollen. Paris verlässt der Schweizer in diesem Jahr ohne...Foto: AFP

Der Regen setzte wieder ein über dem Court Philippe Chatrier, und das machte die Situation für Roger Federer nicht besser. Der tiefe Sandboden hatte sich im Laufe der vergangenen vier Stunden immer weiter vollgesogen und verlangsamte das Spiel, was Federer genauso wenig behagte wie die einstündige Regenpause, die er gerade schon erduldet hatte. Doch nicht die nass-kalten äußeren Bedingungen hatten den Schweizer Weltranglistenersten in dieser Viertelfinalpartie der French Open so in die Bredouille gebracht – es war sein Gegner Robin Söderling. Der Schwede spielte das Match seines Lebens. Nur noch ein Punkt fehlte ihm, dann hätte er den Titelverteidiger bezwungen. Nur noch ein Punkt, und Söderling wäre die Revanche gelungen für die Finalniederlage, die Federer ihm vor einem Jahr auf diesem Platz beigebracht hatte. Nur noch ein Punkt, und Söderling hätte den Bann gebrochen. Es wäre sein allererster Sieg gegen den Ausnahmespieler, sein erster Triumph im 13. Anlauf. Der Regen wurde stärker, als Söderling sich an der Aufschlaglinie postierte. Er warf den Ball in die Höhe und hämmerte ihn mit fast 220 Stundenkilometern über das Netz. Federer erwischte den Ball noch mit der Vorhand, doch er segelte neben Söderling ins Aus, mit 6:3, 3:6, 5:7 und 4:6 musste sich der Schweizer geschlagen geben. „Ich fühle mich unglaublich“, sprudelte es aus Söderling heraus: „Es ist fantastisch, zwei Jahre in Folge den Titelverteidiger auf dem Center Court zu schlagen.“

Vor einem Jahr, da brachte Söderling schon einmal den Stade Roland Garros zum beben. Der schwedische Außenseiter hatte den vierfachen Champion Rafael Nadal im Achtelfinale bezwungen, ein Coup, der beim größten Sandplatzturnier der Welt noch nie jemandem gelungen war. Nun wiederholte Söderling sein Meisterstück. Wie immer fand Federer anerkennende Worte für seinen Gegner am Netz, der 16-malige Grand-Slam-Sieger konnte aber nicht verhehlen, wie sehr ihn die Niederlage schmerzte. „Ich bin schon enttäuscht – obwohl ich nicht denke, dass ich schlecht gespielt habe“, sagte Federer. „Aber die Bedingungen waren sehr schwierig heute. “ Zügig packte er seine Sachen und verließ unter tröstendem Applaus den Court, auf dem er vor einem Jahr den emotionalsten Sieg seiner Karriere erlebt hatte. Mit seinem Erfolg damals hatte er alle vier Grand-Slam-Titel gewonnen und den immensen Erwartungsdruck mit einem Schlag abgeschüttelt. Nur zu gern hätte Federer dieses Glücksgefühl wiederholt. Bis zu diesem Dienstag hatte er sich in Paris in seinen vier Matches souverän ohne Satzverlust durchgesetzt. Doch nun scheiterte er an einem Spieler, der sich innerhalb eines Jahres vom unbeliebten Außenseiter zum respektierten Top-Ten-Spieler gemausert hat. Wie stark der schwedische Weltranglistensiebte inzwischen geworden ist, musste Federer jetzt am eigenen Leib erfahren. Seit sechs Jahren war der Schweizer bei keinem Grand-Slam-Turnier mehr vor dem Halbfinale gescheitert, damals in Paris unterlag er Gustavo Kuerten in der dritten Runde.

Doch Söderling hatte sich diesen Sieg redlich verdient. In seinen ersten vier Runden fertigte er seine Gegner teils im Schnellverfahren ab, die Leichtigkeit seiner Dominanz beeindruckte. Auch gegen Federer strotzte jeder Schlag vor Selbstvertrauen. Mit der Wucht seiner Schläge drängte er Federer zunehmend in die Defensive und zwang ihn zu mehr Fehlern, als man von diesem gewohnt ist. Nicht eine Sekunde lang zweifelte Söderling daran, dass er gewinnen würde. Er wurde selbst dann nicht nervös, als Federer im dritten Durchgang zu einem Satzball kam. „Das ist ein großer Sieg. Aber es ist noch nicht das Finale“, sagte Söderling, „es gibt noch keinen Grund, zu sehr zu feiern.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar