French Open : Serena Williams ist auf der Jagd nach Steffi Grafs Rekord

Die Weltranglisten-Erste strebt bei den French Open voller Selbstbewusstsein ihren 22. Grand-Slam-Titel an.

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Im Siegermodus. Nach nur 62 Minuten erreichte Serena Williams gegen Jelena Switolina das Viertelfinale in Paris.
Im Siegermodus. Nach nur 62 Minuten erreichte Serena Williams gegen Jelena Switolina das Viertelfinale in Paris.Foto: AFP

Sechs Jahre ist es her, dass Serena Williams zum 14. und letzten Mal gegen Justine Henin spielte. Die Belgierin beendete 2011 dann endgültig ihre Karriere, und Williams hatte sie seither keine Sekunde lang vermisst. Beide verband eine innige Intimfeindschaft, und die gründete sich längst nicht nur auf der Tatsache, dass es Henin 2007 als bisher einziger Spielerin gelang, Williams in drei aufeinander folgenden Grand-Slam-Turnieren zu bezwingen. Vielmehr hatte es bei den French Open 2003 einen Zwischenfall gegeben: die „Hand-Affäre“. Williams bezichtigte Henin damals im Halbfinale der groben Unsportlichkeit.

Die Belgierin hatte per Hand signalisiert, dass sie noch nicht bereit für den Return sei. Williams durfte ihren Aufschlag jedoch nicht wiederholen, weil Henin ihre Geste vor dem Schiedsrichter nicht zugab. Williams verlor verärgert das Match, schied als Titelverteidigerin aus. Entschuldigt hat sich Henin nie. Und so lag ein wenig Spannung in der Luft, als die viermalige French-Open-Siegerin Henin am Mittwoch auf dem Court Philippe Chatrier in der Spielerbox von Jelina Switolina Platz nahm, der Achtelfinalgegnerin von Williams.

Williams besiegte Switolina locker 6:1 und 6:1

Würde sich die Titelverteidigerin also erneut von ihr irritieren lassen? „Es interessiert mich nicht, wer da sitzt“, hatte die Amerikanerin bissig vor dem Match verkündet. Dann fertigte Williams die Weltranglisten-20. Switolina mit 6:1 und 6:1 in 62 Minuten ab. Die 21-jährige Ukrainerin ist eben nicht Henin. So scheint nichts und niemand Serena Williams in Paris noch von ihrem 22. Grand-Slam-Sieg abzubringen – sie kann sich wieder einmal nur noch selbst schlagen.

Zweimal stand Williams schon kurz davor, mit dem Rekord von Steffi Graf gleichzuziehen. Und wie nervös sie diese Möglichkeit machte, zeigte sich zunächst im vergangenen Jahr im Halbfinale der US Open – der enorme Druck schnürte Williams völlig ein, dazu war es ein Heimspiel. Sie wirkte wie gelähmt, schließlich ging es gleichzeitig auch um den Kalender-Grand-Slam, den seit Graf im Jahr 1988 keine Spielerin mehr geschafft hatte. In Melbourne lief es danach scheinbar besser für Williams, aber im Endspiel offenbarte sich doch ihre extreme Anspannung, von der Angelique Kerber schließlich profitieren konnte.

In Paris läuft nun alles nach Plan, ohne Satzverlust steht die Weltranglistenerste im Viertelfinale. Und durch das tagelange, ungemütliche Regenwetter an der Seine hatten sich die Mitfavoritinnen bereits reihenweise verabschiedet. Die nach ihr am höchsten platzierte Spielerin ist die Spanierin Garbine Muguruza als Nummer vier, ihre potenzielle Finalgegnerin. „Mir macht der Regen nichts aus“, sagte Williams gelassen, „und auch, wenn wir jetzt jeden Tag spielen müssen, ist mir das egal. Ich komme mit allem klar.“ Nur in der dritten Runde hatte die 34-Jährige Mühe mit der Französin Kristina Mladenovic gehabt, aber das sei ein Weckruf im richtigen Moment gewesen, meinte Williams’ Coach Patrick Mouratoglou. „Ich wollte heute unbedingt beweisen, dass ich es besser kann als in der dritten Runde“, betonte Williams kämpferisch. Sie ist in Fahrt, hat längst auf Siegermodus geschaltet.

Seit 2007 konnte keine Spielerin ihren Titel in Paris verteidigen

Dabei lief die Saison bisher noch nicht, wie man es von der Ausnahmekönnerin gewohnt ist. Erst kurz vor den French Open sicherte sich Williams beim Masters in Rom ihren ersten Titel der Saison, den 70. ihrer Karriere. „Vier Turniere, drei Finals in diesem Jahr – das ist für jeden anderen nicht schlecht“, sagte Williams, „aber ich bin ja nicht jeder andere. Klar bin ich nicht zufrieden, wenn ich nicht gewinne.“ Mit ihrem vierten Triumph in Paris (2002, 2013, 2015) würde Williams mit Henin gleichziehen. Zudem wäre sie die erste seit der Belgierin 2007, die ihren Titel in Roland Garros erfolgreich verteidigen könnte. Bei allem, was für Williams auf dem Spiel steht, wäre das der Zuckerguss auf ihrer Siegertorte.

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