Sport : Freudentaumel in der Türkei - Trauer in Italien

Freudentaumel in der Türkei, Trauer in Italien: Der Absturz des AC Mailand war der spektakuläre Höhepunkt beim Vorrunden-Finale der Champions League. "Selbstmord" titelte am Donnerstag "Corriere della Sera" nach der 2:3-Niederlage von Milan bei Galatasaray Istanbul. Oliver Bierhoff musste den Untergang seines Teams fast tatenlos von der Bank aus verfolgen, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wurde erst zwei Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt.

"Das war die schlimmste Niederlage meines Lebens", jammerte Alberto Zaccheroni, nachdem sein Team einen 2:1-Vorsprung in den letzten vier Minuten noch verspielt hatte. Der Trainer muss nach diesem Desaster um seinen Posten bangen. Vize-Präsident Adriano Galliani führte sofort nach dem Spiel ein Krisengespräch mit seinem Vorgesetzten Silvio Berlusconi. "Dieses Milan ist hässlich. Jetzt bleibt nur noch die Meisterschaft", schimpfte Galliani.

Als die Mailänder Stars gedemütigt vom Platz geschlichen waren, verwandelten die Türken den Rasen im Stadion Ali Sami Yen in eine große Partyfläche. Trainer Fatih Terim und Torjäger Hakan Sükür begruben ihre in den vergangenen Wochen offen zur Schau gestellten Differenzen und lagen sich minutenlang in den Armen. "Ich schenke diesen Sieg, an den wir immer geglaubt haben, meiner Frau und meiner Mutter", verkündete Sükür. Und Terim frohlockte: "Ich bin stolz - auch wenn wir erst auf den letzten Drücker gewonnen haben. Jetzt will ich den Uefa-Cup."

Nach den späten Toren von Sükür und Ümit, der einen Elfmeter in der Schlussminute zum 3:2 nutzte, zogen hupende Autokorsos mit singenden und tanzenden Menschen in vielen Städten des Landes durch die Straßen. Auch die türkischen Zeitungen feierten die gelb-roten "Löwen" vom Bosporus. "Tschüs Mailand, es geht weiter nach Europa", titelte die Sportzeitung "Fanatik", und "fotoMac" dichtete: "Der König hat gesprochen, Mailand hat sich verkrochen."

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