Sport : Freunde des Penaltyschießens

Eisbären siegen beim 1:0 gegen Kassel mal wieder mit Verspätung

Claus Vetter

Berlin. Für Fans der Eisbären lohnt es sich derzeit nicht so sehr, während der regulären Spielzeit im Sportforum Hohenschönhausen vorbeizuschauen. Zumindest was die Spannung betrifft. Denn dramatisch wurde es in der betagten Arena des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zuletzt erst, wenn die Schlusssirene verklungen war. Fünf Mal war in den vergangenen sechs Partien der Eisbären die Prozedur die gleiche, die Entscheidung fiel im Penaltyschießen. Insofern war einfach zu prognostizieren, was sich gestern im Sportforum abspielen würde. Die Freunde des Penaltyschießens unter den 5000 Zuschauern wurden beim Auftritt der Eisbären gegen die Kassel Huskies nicht enttäuscht, die Partie wurde nach 60 langweiligen torlosen Minuten Mannschaftsspiel per Penalty entschieden: Yvon Corriveau traf zum 1:0-Sieg der Eisbären nach - natürlich – Penaltyschießen.

Kassels prominentester Fan saß am Sonntag auf der VIP-Tribüne. Bundesfinanzminister Hans Eichel war wahrscheinlich heilfroh, dass sein Arbeitsplatz in Berlin ist. Der Anfahrtsweg zum Sportforum fällt für den aus Kassel stammenden Politiker bescheiden aus. Das Schicksal der anderen Fans aus Kassel – es waren 200, die sich einige Meter neben Eichel auf den Stehtribünen versammelt hatten – war bitterer. Eine Fahrt nach Berlin für ein derart unspektakuläres, unter taktischen Zwängen leidendes Spiel wie gestern – das kann niemanden begeistern. Wenn schon allgemeiner Sparzwang im Lande herrscht, auf das Toreschießen sollte beim Eishockey nicht verzichtet werden. Das ist ein Luxus, gegen den auch Eishockey-Fan Eichel nichts einzuwenden hat. Die Eisbären und die Huskies interessierte es aber offensichtlich wenig, sie wollten vor dem Tor des Gegners kaum etwas veranstalten.

So kam es, dass Tore erst im Penaltyschießen fielen. Robitaille traf zunächst für Kassel. Auf der VIP-Tribüne jubelte nur ein Zuschauer: Hans Eichel. Fans sind halt einfach zufrieden stellen. Doch als sich der Finanzminister wieder gesetzt hatte, glich Corriveau aus. Und als der Eisbären-Stürmer im zweiten Penalty-Durchgang noch mal erfolgreich war, jubelten auf den besseren Plätzen alle Zuschauer – bis auf Eichel.

Was vor dem Penaltyschießen passierte, war nur selten amüsant. In diese Kategorie fiel der Höhepunkt des ersten Drittels: In der 14. Minute umkurvte der Kassler Zdenek Nedved den Berliner John Gruden mit einer unglaublich eleganten Körperdrehung, so dass Gruden nicht wusste, wie ihm geschah. Es passte aber ins Bild, dass dem Kunststück nichts Berauschendes folgte, der Tscheche den Puck zwar an einen Kollegen weitergab, der ihn dann aber Eisbären-Torwart Oliver Jonas im Zeitlupentempo zuschob. Die Berliner wurden erst später etwas munterer, ein Tor gelang ihnen trotzdem nicht.

Dass die Mannschaft von Trainer Pierre Pagé eine Pause braucht, das war schon vor dem gestrigen Spiel bekannt. Und ab heute ist es ja auch so weit, die Spieler des Tabellenführers können ein paar Tage ausspannen - bis zum 11. Februar. Dann kommt die Düsseldorfer EG zum Spielen und vermutlich auch zum Penaltyschießen ins Sportforum.

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