Sport : Freundlich gewonnen

Wie vor vier Jahren gewinnt Justine Henin in Paris gegen Serena Williams – diesmal ohne Zwischenfall

Petra Philippsen[Paris]

Für Justine Henin war es einer der „besten Momente meiner Karriere“, Serena Williams verweigerte dagegen jegliche Aussage: „Ich will nicht darüber sprechen. Das scheint schon Jahrzehnte her zu sein.“ Eine verständliche Reaktion aus Sicht der US-Amerikanerin, dass sie die Erinnerungen an das Halbfinale 2003 bei den French Open aus ihrem Gedächtnis streichen wollte. Es war das letzte Treffen der beiden Titelanwärterinnen in Paris und eines der wohl schmerzvollsten in der Karriere von Williams. Das denkwürdige Match wurde im Vorfeld dieses Viertelfinals zum alles bestimmenden Thema. Geblieben ist davon am Ende nicht viel. Henin gewann 6:4 und 6:3

2003 war Williams die große Favoritin, sie hatte zuvor vier Grand-Slam-Titel in Folge gewonnen. Doch im Viertelfinale brachte sie das französische Publikum gegen sich auf, das ihr vorwarf, ihre Lokalmatadorin Amelie Mauresmo mit unfairen Psychotricks bezwungen zu haben. In der Partie gegen Henin schlugen sich die Zuschauer daher auf die Seite der Belgierin und buhten Williams aus. Im entscheidenden Durchgang eskalierte die Situation fast, als Henin vor einem Aufschlag ihrer Gegnerin die Hand hob, um zu zeigen, dass sie noch nicht bereit sei, Williams jedoch trotzdem servierte und daraufhin zwei neue Versuche forderte. Die Schiedsrichterin hatte das Handzeichen nicht bemerkt und Henin wollte die Szene nicht aufklären. Als „Lügnerin“ bezeichnete Williams sie, als sie nach der Niederlage unter Tränen den Centre Court verlassen hatte. Keine von beiden habe seither wieder mit der anderen darüber gesprochen.

„Wir haben uns beide verändert, wir sind reifer geworden“, erklärte Williams. „In unseren Leben ist seither so viel passiert, wir sind komplett andere Menschen.“ Die Vorzeichen vor dem Viertelfinale waren dieses Mal jedenfalls umgekehrt: Henin ging als Topgesetzte und Gewinnerin der letzten beiden Jahre ins Spiel und hatte in den Runden zuvor selten Schwäche gezeigt. Williams steigerte sich nach mäßigem Beginn und zeigte erst im Achtelfinale gegen die Russin Dinara Safina eine überzeugende Leistung.

Obwohl Williams passiv agierte und nicht den nötigen Druck entwickelte, um Henin ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, warteten Zuschauer und wohl auch die Gegnerin selbst auf das Aufbäumen der Amerikanerin. Doch an diesem Tag blieb die angeknockte Kämpferin am Boden liegen. Mit 4:6 und 3:6 musste sie sich nach etwas mehr als einer Stunde geschlagen geben, in einer Partie, die die Erwartungen nach dem enormen Wirbel im Vorfeld, nicht im Geringsten erfüllen konnte. „Heute passte einfach nichts. Ich mache sonst nie so viele Fehler. Das war frustrierend“, erklärte Williams enttäuscht.

Henin gelangen die entscheidenden Punkte, die ihr ein Halbfinal-Duell mit der Serbin Jelena Jankovic einbrachten: „Ich bin überglücklich, diese Hürde genommen zu haben. Für mich ist jedes Spiel wie ein Finale.“ Die Zuschauer werden dankbar sein, dass es noch nicht das Endspiel gewesen ist, denn wie ein laues Lüftchen wehte diese Partie unaufgeregt und ohne Höhepunkte über die Anlage am Bois de Boulogne. Und zumindest von diesem Match werden die Erinnerungen sehr schnell verblassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben