Sport : Freundliche Übernahme Fahrradhersteller Bianchi will Team Coast übernehmen

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Berlin (dpa). Der in Auflösung befindliche Rennstall Coast mit dem Kapitän Jan Ullrich ist zur Spekulationsmasse geworden. Der italienische Fahrradhersteller Bianchi will das Team übernehmen und am 5. Juli bei der Tour de France starten. Dafür arbeiten UllrichBetreuer Rudy Pevenage, Manager Wolfgang Strohband, die Bianchi-Verantwortlichen und auch der Weltverband UCI. Beim Tauziehen steht der umstrittene Coast-Chef Günther Dahms, der am Sonntag zum Teil schwere Vorwürfe gegen seine bisherigen Partner erhob und seinen Rückzug erwägt, auf der anderen Seite. Die UCI hatte Coast am Donnerstag wegen nicht geleisteter Zahlungen bis auf weiteres gesperrt.

„Bianchi hat Millionen versprochen und bisher keinen Pfennig gezahlt. Was die jetzt vorhaben, ist eine feindliche Übernahme. Dass mein Angestellter Pevenage eine Firma gegründet hat, die dann zusammen mit Bianchi die Geschäfte weiter führen will, ist eine fragwürdige Praxis“, sagte Dahms. Heute hat der Textilunternehmer aus Essen ein Gespräch mit Bianchi. „Ich will faire Bedingungen“, sagte Dahms, bei dem Ullrich am 15. Januar einen Drei-Jahres-Vertrag für rund fünf Millionen Euro unterschrieben hatte.

Coast durfte bei der Friedensfahrt wegen der Sperre nicht starten, Ullrichs Tour-Vorbereitung ist unterbrochen. Für Rudy Pevenage ist die Situation untragbar. „Entweder klappt es kommende Woche, dass Bianchi sämtlichen Fahrern ein Angebot machen und sie übernehmen kann, oder Jan und ich müssen uns ein neues Team suchen“, sagte der Betreuer von Ullrich. Pevenage hatte im April mit Bianchi-Zusagen die erste UCI-Sperre gegen Coast beendet. „Aber die Italiener wollen jetzt Garantien und nicht Geld in ein insolventes Unternehmen pumpen.“, sagte er.

Unterdessen scheint die Zahl der Interessenten an Ullrich zu steigen. Am Sonnabend meldete sich der Chef der französischen Mannschaft Cofidis zu Wort und bot Ullrich einen Platz an. Auch Quick Step (Belgien), Phonak (Schweiz) und Banesto (Spanien) sind interessiert. Der Standpunkt von Telekom ist unverändert. „Für Jan ist immer eine Tür offen, für Pevenage nicht“, erklärte Telekom-Manager Walter Godefroot. Der Belgier sitzt mit Telekom-Sprecher Olaf Ludwig, Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc, Miguel Indurain im Vertragssport-Gremium CCP der UCI und könnte darüber mitentscheiden, ob Bianchi die Nachfolge der Coast-Mannschaft antreten kann, die die Startlizenz für die Tour de France besitzt.

Jan Ullrich äußerte sich am Wochenende auf seiner Homepage: „Ich bin enttäuscht von Herrn Dahms, weil er den erneuten Lizenzentzug nicht verhindert hat. Damit ist die Grenze des Zumutbaren überschritten. Alle Beteiligten versuchen mit Hilfe der UCI, eine Lösung zu finden.“ Seine Teilnahme an der Tour sei nicht in Gefahr, sagt Ullrich.

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