Sport : Freundliche Übernahme

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Michael Rosentritt freut sich,

dass die Russen kommen

Dass ein Russe den Londoner Fußballklub Chelsea gekauft hat, war schon ein Schock für das alte Europa. Und nun soll auch noch der hoch verschuldete AS Rom in den Besitz einer Moskauer Ölgesellschaft fallen. Eine Katastrophe. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Denn was macht den Unterschied, ob der AS Rom dem Erdölunternehmer Franco Sensi bleibt oder bald einer Moskauer Erdölgesellschaft gehört?

Der kalte Krieg ist mehr als ein Jahrzehnt vorbei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Ost-West-Konflikt hat nur die Spielwiese gewechselt und lebt im Sport weiter. Es ist keine Rivalität unterschiedlicher Gesellschaftssysteme, aber es geht immer noch um Macht. Wer besitzt die meisten Sportvereine der Welt? Die Amerikaner. Doch so langsam bekommen sie wieder Konkurrenz, eine altbekannte Konkurrenz.

Der prominenteste Übergriff war die freundliche Übernahme des FC Chelsea durch den russischen Ölmilliardär Abramowitsch. Dem war der Deal und der Einkauf neuer erstklassiger Spieler fast eine halbe Milliarde Euro wert. Demnächst kauft er vielleicht ein Formel-1-Team oder eine Footballmannschaft. Das Duell der Supermächte geht weiter, und auch die Reaktionen darauf sind immer noch die gleichen. In der westlichen Welt heult schließlich niemand auf, wenn der Milliardär Phillip Anschutz gleich ein ganzes Sortiment europäischer Klubs in seinen Besitz bringt. Er ist nämlich Amerikaner. Dass Abramowitsch und andere aus dem Osten nun genauso einkaufen, ist eine gute Nachricht. Denn was wäre, würden sie sich den Klub Spartak Moskau aneignen und für mehrere hundert Millionen Euro Spieler einkaufen, Figo etwa, Zidane oder Ronaldo? Das würde die ganze gute Ordnung durcheinander bringen. Besser, die Russen kommen und alles bleibt beim Alten.

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