Sport : Freundschaftsdienst

Olaf Kölzig wird von Stefan Ustorf am Flughafen begrüßt und trainiert schon heute mit den Eisbären

Claus Vetter

Berlin - Stefan Ustorf ist schuld. Schuld daran, dass Olaf Kölzig deutscher Eishockey-Nationaltorhüter ist. 1992 haben sich der Stürmer und der Torwart bei den Washington Capitals kennen gelernt. Damals, als Eisbären-Stürmer Ustorf bei Kölzigs Klub aus der National Hockey League (NHL) spielte. „Im Trainingscamp habe ich Stefan gesagt, dass ich auch Deutscher bin“, hat Kölzig einmal erzählt. „Das wusste damals keiner in Deutschland.“ Inzwischen weiß im deutschen Eishockey jeder, wer der in Südafrika als Sohn deutscher Eltern geborene und in Kanada aufgewachsene Torhüter ist. Der 34-Jährige spielte 2004 bei der WM in Tschechien und beim World Cup für das Nationalteam. Und nun kann Kölzig das machen, was er wegen „der erstaunlichen Euphorie in deutschen Stadien“ erst zum Ausklang der Karriere machen wollte: Kölzig wird, wie bereits gestern gemeldet, für den Rest der Saison bei den Eisbären im Tor stehen – wenn in der NHL nicht doch noch gespielt wird.

Gestern kam Kölzig am Flughafen Tegel an, wo er schon erwartet wurde – erstaunlicher Weise nicht vom Eisbären-Management, sondern von Freund Stefan Ustorf. Bereits heute wird Kölzig mit dem neuen Klub trainieren. Am Freitag, beim Spiel der Eisbären gegen Kassel, soll der neue Torwart mit der Nummer 40 noch nicht zum Einsatz kommen. Zu groß ist sein Trainingsrückstand. Schließlich hat Kölzig diese Saison nicht gespielt, sondern darauf gewartet, dass im Streit um die Einführung einer Gehaltsobergrenze in der NHL Einigkeit erzielt wird. Den Glauben daran hat Kölzig nun verloren. Ein Glücksfall für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), in der selten zuvor ein derart prominenter Spieler längerfristig engagiert war. Kölzig wurde 2000 als bester Torwart der NHL dekoriert und bekam rund 6,5 Millionen Dollar Saisonsalär. Dieses Geld wird er nicht annähernd in Berlin bekommen.

Pierre Pagé begrüßte die Verstärkung aus Übersee, der Berliner Trainer sagte aber auch, dass er nun Aufbauarbeit bei Oliver Jonas, seinem bisherigen Stammtorwart, leisten müsse. „Ich habe ihm gesagt: Wenn du deine Leistung zeigst, dann wirst du auswärts im Tor stehen.“ Jonas sagte: „Es ist für mich nicht alles verloren, ich nehme die Herausforderung an.“ Freitag wird Jonas spielen, für die Tage danach ist das fraglich. Mittwoch beginnt für das Nationalteam in Krefeld mit der Partie gegen Kanada eine Testspielserie, die dann bei einem Turnier in Budapest fortgeführt wird.

Bundestrainer Greg Poss zeigte sich erfreut darüber, dass Kölzig nach Berlin wechselt. „Wir haben mit Olaf bereits gesprochen“, verriet Poss dem Tagesspiegel. „Ich gehe davon aus, dass er kommende Woche im Tor der Nationalmannschaft steht. Das ist eine gute Sache.“ Poss freute sich gestern noch über eine andere für ihn „gute Sache“: Sein im Mai endender Vertrag beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) wurde auf „unbestimmte Zeit verlängert“, wie DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken mitteilte, denn: „Wir haben uneingeschränktes Vertrauen in Greg Poss.“

Vertrauen ist das Stichwort für Jonas, der nun nicht nur bei den Eisbären, sondern auch in der Hierarchie der Nationaltorhüter abrutschen könnte. Erst gestern wurde er vom Klub über die Verpflichtung Kölzigs informiert, sagt Jonas. Bisher sei er „im Wesentlichen von Reportern“ über personelle Entwicklungen bei seinem Arbeitgeber informiert worden. „Und das finde ich komisch“, beklagte sich Jonas. Weniger komisch findet wohl Stefan Ustorf die Verpflichtung Kölzigs. Damals, im Trainingslager der Washington Capitals, hatte Ustorf bei der ersten Begegnung mit Kölzig nicht geglaubt, dass der auch Deutscher ist. „Aber dann hat Olaf mir seinen Pass gezeigt. Ich habe sofort beim DEB angerufen, und Olaf wurde Nationalspieler.“ Und durch die guten Kontakte zu Stefan Ustorf nun auch Torwart der Berliner Eisbären.

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