Sport : Friede, Freude, Imagepflege

Oberflächlich scheint beim deutschen Daviscup-Team jetzt alles im Lot – doch hinter den Kulissen wird weiter gezankt

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Von Oliver Trust

Karlsruhe. Zur verzweifelten Imagepflege des Deutschen Tennis Bundes kommen jeden Tag neue Geschichten, die den Präsidenten Georg von Waldenfels irgendwie unglücklich machen. Die Finanzsituation des Verbandes ist angespannt, es gibt neue Unruhe um Frauen-Bundestrainer Markus Schur, dem die Kündigung ins Haus flatterte, und der 5:0-Erfolg im Daviscup-Abstiegsduell über Venezuela riss auch niemanden von den Sitzen. Hinzu kamen peinliche Pannen beim öffentlichen Training, als die Stars erst Stunden später erschienen, und der verunglückte Auftritt des heimlichen Team-Chefs Thomas Haas im „Aktuellen Sportstudio". Haas gab patzige, kurze Antworten und beschwerte sich über sein Image, trotz seiner Erfolge, nicht beliebt zu sein („Als Nummer zwei der Welt habe ich doch einen extra Beifall verdient"). In Karlsruhe ist selbst Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen vor dem Fernseher erschrocken und meinte, Haas bräuchte doch eher einen Medienberater.

Es ist ein langer Weg für den DTB und seine neue Daviscup-Mannschaft. Als Thomas Haas am Sonntagmorgen kurz nach elf Uhr zur großen Entschuldigung ans Mikrofon trat, saßen kaum Zuschauer in der Europahalle in Karlsruhe. Ein paar hundert, ein erbärmliches Bild. „Es tut mir super Leid", flüsterte die 24 Jahre alte Nummer zwei der Weltrangliste. Haas trat am dritten Tag des Abstiegsduells gegen Venezuela nicht mehr an. Sechs Minuten vor Nominierungsschluss hatte er sich nach einem kurzen Training an die Schulter gegriffen und das Gesicht verzogen. „Für alle, die Haas spielen sehen wollten: Wir haben die Schmerzen im Arm getestet, es geht nicht", sagte Patrik Kühnen, der Daviscup-Kapitän. Immerhin wollte sich Haas „für alle, die ein Autogramm haben wollen und Fragen haben, noch in eine Ecke setzen.“ Morgen geht Haas zum Arzt, „um alles durchchecken zu lassen".

Zwei Tage zuvor hatte er sich mit seinem Manager Stefan Füg bei Journalisten über deren Berichterstattung beklagt. Auch am Sonntag versuchte Füg im Pressezentrum Überzeugungsarbeit zu leisten, um den ramponierten Ruf seines Mandanten aufzupolieren. „Ich gebe mein Bestes", hatte Haas mit einem Anflug von Unverständnis im ZDF gesagt. Und all die Geschichten, er und Nicolas Kiefer würden sich nicht verstehen, seien Unsinn. Wer die beiden in Karlsruhe erlebte, kommt zu anderen Schlüssen.

Haas und Kiefer würdigen sich kaum eines Blickes. Haas hat in Rainer Schüttler immerhin einen Verbündeten. In den Tagen von Karlsruhe kam es im Team offenbar zu einem heftigen Streit, weil Haas und Schüttler Kiefer gerne aus der Mannschaft haben wollten. Freitag hatte Haas angekündigt, er werde möglicherweise Doppel spielen. Für Kiefer wäre nur die Zuschauerrolle geblieben. „Es gibt keinen Streit, aber zu manchem habe ich eine private Meinung.“

Trotz der offensichtlichen Differenzen verkündete Haas nun, „dass wir alle nächstes Jahr gemeinsam spielen werden und etwas erreichen wollen im Daviscup". Kühnen sagte: „Wir wollen den Daviscup wieder für Deutschland gewinnen. Es werden alle dabei sein." Haas hatte im Frühjahr für Ärger gesorgt, als er seinen Auftritt im Daviscup-Team absagte, weil der DTB Kosten von 50 000 Euro für seinen Physiotherapeuten Jürgen Dess nicht übernehmen wollte.

Gegen die drittklassigen Südamerikaner hatte das Doppel David Prinosil und Nicolas Kiefer am Samstag den entscheidenden dritten Punkt geholt. Kiefer siegte am Sonntag als Haas-Vertreter 6:1, 7:5 über Kepler Orellana, und Rainer Schüttler bezwang Jimy Szymanski 6:3, 6:0. „Wir freuen uns alle auf das nächste Jahr im Daviscup, nur privat geht jeder seinen eigenen Weg", sagte Nicolas Kiefer zum Abschluss der Tennistage von Karlsruhe – und grinste.

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