Sport : Friedek glaubt an sich - und siegt

Jörg Wenig

Golden-versöhnlicher Abschluss in Gent - Schuhmann unterliegt russischem "Kenianer"Jörg Wenig

Der Anfang und das Ende gehörten den Deutschen. Im letzten Wettbewerb der Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften in Gent siegte Charles Friedek (Leverkusen), nachdem Fünfkämpferin Karin Ertl (Fürth) am Freitag triumphiert hatte. Der Dreispringer sorgte mit der Jahresweltbestleistung von 17,28 m für die zweite Goldmedaille des deutschen Teams. Dazwischen waren die Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) immer wieder nur zweiter Sieger. Dies hatte zum einen mit einer ungewöhnlichen Pechsträhne zu tun, zum anderen gab es gestern auch gleich fünf Silbermedaillen für den DLV. 800-m-Läufer Nils Schumann (Großengottern/1:48,41 Minuten), Weitspringerin Heike Drechsler (Ludwigshafen/6,86 m), Stabhochspringerin Christine Adams (Leverkusen/4,35 m), die 4x400-m-Männerstaffel (3:06,64) und der ebenfalls für Leverkusen startende Berliner Martin Buß mit 2,34 m im Hochsprung belegten jeweils zweite Ränge. Damit haben die DLV-Athleten in Gent insgesamt neun Medaillen gewonnen. Drei weniger als bei der Hallen-EM vor zwei Jahren, als es fünf Siege gab. In der Nationenwertung reichte es hinter den Russen noch zu Rang zwei. "Wir hatten sicherlich höhere Erwartungen", kommentierte DLV-Präsident Helmut Digel das Abschneiden des deutschen Teams, fügte aber auch hinzu: "Wir wissen, dass auch einiges Pech im Spiel war. Im Sommer werden die Karten neu gemischt."

"Dies ist ein weiterer großer Sieg für mich. Wenn ich nicht daran geglaubt hätte, dann wäre ich hier in Gent auch nicht an den Start gegangen", sagte der 28-jährige Charles Friedek, der seine erstaunliche Siegserie fortsetzte. Der Dreispringer hatte 1998 den Weltcup gewonnen und wurde im vergangenen Jahr sowohl in der Halle als auch im Sommer Weltmeister. Nachdem der Bulgare Rotislaw Dimitrow im zweiten Durchgang mit 17,22 m in Führung gegangen war, konterte Friedek unmittelbar darauf mit seinem Siegsprung.

Vor zwei Jahren sensationell Hallen-Europameister geworden, musste sich Nils Schumann dieses Mal im 800-m-Finale einem anderen Läufer geschlagen geben, der nicht minder spektakulär in der internationalen Spitze aufgetaucht ist wie 1998 der Deutsche: Juri Borsakowski. Der 18-jährige Russe, der bereits "Juri der Kenianer" genannt wird, rollte wieder einmal von hinten das Feld auf und ließ Schumann keine Chance. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen - nur der Sieg fehlte", sagte der drei Jahre ältere Schumann, der im Finale vergeblich versucht hatte, mit einem langgezogenen Spurt Borsakowski zu bezwingen.

Zuvor schien sich die deutsche Pechsträhne vom Sonnabend fortzusetzen. Die erste Entscheidung des Tages endete für die Berlinerin Claudia Marx (LG Nike) mit Tränen. Erneut couragiert gelaufen, lag die 21-Jährige nach der ersten Runde des 400-m-Finales, das die Russin Swetlana Pospelowa in 51,66 gewann, trotz der ungünstigen, engen Innenbahn noch glänzend im Rennen. Mit Daniela Georgiewa (Bulgarien) kämpfte sie um Platz vier, selbst der dritte Rang schien nicht außer Reichweite. "Wenn ich die Innenbahn bekomme, dann werde ich Sechste", hatte Claudia Marx vor dem Finale orakelt. Es kam viel schlimmer. Georgiewa brachte die Berlinerin 130 Meter vor dem Ziel zu Fall und wurde disqualifiziert. Trotz der Enttäuschung hat Claudia Marx durchaus ein Zeichen gesetzt im Kampf um einen medaillenträchtigen Staffelplatz bei den Olympischen Spielen in Sydney.

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