Friedhelm Funkel : "Neid ist mir absolut fremd"

Frankfurts Trainer Funkel über Eintrachts Perspektiven, sein Image und die Langeweile in der Bundesliga.

Friedhelm Funkel
Friedhelm Funkel. -Foto: dpa

Herr Funkel, vor kurzem haben Sie Ihr 1000. Profispiel als Spieler und Trainer bestritten. Aber fast niemandem ist es aufgefallen. Waren Sie beleidigt?

Mir ist es ja auch nicht aufgefallen, also kann ich auch nicht beleidigt sein. Ich war vielmehr stolz. Nur Otto Rehhagel hat noch mal rund 70 Spiele mehr, und wenn Ottmar Hitzfeld bei den Bayern aufhört, bin ich in der nächsten Saison der Trainer mit den meisten Bundesligaspielen.

Sonst stehen Sie selten im Vordergrund.

Was mir sehr recht ist. Ich brauche die ständige Hochjubelei nicht. Ich freue mich jeden Tag über meine Arbeit, und dank der Eintracht habe ich in den vergangenen Jahren noch mal einen kleinen Karrieresprung gemacht.

Sehnen Sie sich nicht nach mehr Anerkennung?

Natürlich brauche ich wie jeder Mensch Anerkennung. Mir ist dabei aber vor allem die Meinung der Fußballexperten wichtig. Bei denen habe ich meinen Stellenwert. Ich muss den nicht in den Massenmedien haben. Vielleicht erkennt jetzt der eine oder andere, dass ich doch irgendwas können muss, um so lange im Geschäft sein zu können.

Bemerkenswert ist dabei, dass Sie in 18 Jahren als Trainer nie arbeitslos waren …

Auch darauf bin ich stolz. Ich wurde zwar ein paar Mal beurlaubt, habe aber immer einen neuen Job gefunden, ehe die Beurlaubungszeit abgelaufen war.

Die Medien tun sich dennoch schwer mit Ihnen, weil Sie in all den Jahren nicht einen Titel geholt haben. Fehlt Ihnen da etwas Entscheidendes?

Ich hatte mit meinen Klubs immer ganz andere Ziele als beispielsweise Ottmar Hitzfeld, der mit den Bayern einfach Meister werden muss. Für mich ging es immer darum, die Klasse zu halten, egal ob in Uerdingen, beim MSV Duisburg oder jetzt in Frankfurt.

Beneiden Sie Ottmar Hitzfeld um seinen Job bei den Bayern, dem heutigen Gegner der Eintracht?

Neid ist mir absolut fremd. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen und wurde so erzogen, dass ich nie auf irgendjemanden neidisch war. Nicht auf den Schulkameraden, der den schöneren und teureren Fußball hatte, nicht auf einen Mannschaftskameraden, der mehr Geld verdiente. Und genauso bin ich heute als Trainer nicht neidisch auf Ottmar Hitzfeld oder die Bayern. Die haben sich all das ganz hart erarbeitet vor allem dank Uli Hoeneß. Das kann ich nur bewundern.

Fragen Sie sich dennoch manchmal, warum Hoeneß nie bei Ihnen angerufen hat?

Ich kann mich realistisch einschätzen und kenne meine Grenzen. Die Bayern brauchen einen Meistertrainer, der Titel gewonnen hat. Ich habe eben noch keine Meisterschaften gewonnen. Punkt. Aus.

Sie werden aber wohl nie ein Trainer sein, der von den Massen gefeiert wird.

Ich brauche das nicht. Mir reicht es, wenn eine Vereinsführung wie hier in Frankfurt Heribert Bruchhagen mir den Rücken stärkt. Bruchhagen hat ein gutes Gespür dafür, ob eine Mannschaft funktioniert. Und er hat es geschafft, dass die vorher so einflussreichen Marktschreier aus dem Eintracht-Umfeld kein Gehör mehr finden. So konnten wir in fast vier Jahren etwas aufbauen. Das war mir beispielsweise in Köln, wo wir finanziell sicher bessere Bedingungen hatten als in Frankfurt, nicht vergönnt.

Dort wurden Sie kurz nach dem Aufstieg entlassen.

Das war vielleicht mein schmerzhaftestes Erlebnis, weil dort so viel möglich gewesen wäre.

Was ist denn in Frankfurt möglich?

Wir haben uns jetzt in jedem Bundesligajahr ein Stückchen nach oben entwickelt. In diesem Jahr haben wir schon sehr früh nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Für die nächsten Jahre kann das Ziel nur sein, ähnlich frühzeitig aller Sorgen ledig zu sein und die Mannschaft sportlich weiterzuentwickeln.

Nach Ansicht der Fans sollten Sie schon jetzt an den Uefa-Cup anklopfen …

Das ist absolut unrealistisch. Es gibt mindestens sieben bis acht Klubs, die uns finanziell und sportlich Jahre voraus sind. Bayern, Bremen, Schalke, Stuttgart, der HSV und Leverkusen werden sich fürs internationale Geschäft qualifizieren. Dann kommen auch noch Vereine wie Wolfsburg und Dortmund. Das ist auf Jahre hinaus zementiert.

Wegen solcher Ansichten haben sie den Ruf, eine Spaßbremse zu sein.

Wir haben eben nur mal eine kleine Chance, wenn wir eine ganze Saison herausragend spielen und ein paar der finanzstarken Vereine schwächeln. Einen Überraschungsmeister wie vor zehn Jahren Kaiserslautern wird es trotzdem nie wieder geben. Da gehe ich jede Wette ein. Wir könnten es uns einfacher machen und irgendwelchen Träumereien anhängen. Aber wir haben hier in Frankfurt den Mut, die Wahrheit zu sagen, auch wenn die Wahrheit schwer zu ertragen ist.

Ist das nicht Gift für die Bundesliga?

Langeweile ist immer schlecht. Wenn die Bayern in den kommenden 20 Jahren 19-mal den Titel holen, wäre das tödlich für die Bundesliga. Es darf eigentlich nicht sein, dass die Bayern die Meisterschaft mit zehn oder mehr Punkten Vorsprung gewinnen.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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