Sport : Friedrichshafen vor dem Titel: Der SCC setzt auf die Psyche

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Berlin - Eigentlich ist die Welt ja gar nicht so kompliziert, jedenfalls im Sport und noch genauer gesagt im Mikrokosmos des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg. „Wir müssen einfach gewinnen“, sagt Mark Lebedew, der Trainer des SCC. Oder: „Manchmal ist es viel einfacher, als du denkst.“ Da soll mal einer das Gegenteil behaupten, er hat ja Recht, der Australier, grundsätzlich betrachtet. Nur ist die Frage, ob die Sinnsprüche seinem Team jetzt noch helfen.

Gewinnen müssen die Volleyballer des SCC heute in Friedrichshafen (20.30 Uhr), sonst ist der VfB Friedrichshafen Deutscher Meister. Dann hätte er nämlich auch das dritte Spiel der Finalrunde für sich entschieden. Aber einfach? Einfach ist gar nichts derzeit beim SCC. Das hat Manager Kaweh Niroomand nach dem 2:3 gegen den Deutschen Meister in der Berliner Max-Schmeling-Halle erkannt: „Wir sind an unserer Psyche gescheitert.“

Jetzt hoffen sie beim SCC ein wenig darauf, dass die Friedrichshafener heute ebenfalls an ihrer Psyche scheitern könnten. Am Bodensee erwartet natürlich jeder, dass der VfB heute alles klar macht; die Fans erwarten das, die Offiziellen der Stadt natürlich auch. Die haben schon für Sonntag einen Empfang vor dem Rathaus vorbereitet.

Im vergangenen Jahr war es ähnlich, da führte der VfB gegen Generali Unterhaching in der Finalrunde schon 2:0, in der ZF-Arena in Friedrichshafen war alles für die große Meistersause vorbereitet, aber im dritten Spiel verloren die Schwaben unerwartet 1:3. Erst im vierten Spiel, einem nervenaufreibenden Duell, setzte sich der VfB in Haching 3:2 durch.

Vielleicht sind die Schwaben jetzt wieder zu unkonzentriert und zu siegesgewiss, das ist eine der Hoffnungen des SCC. Die andere lautet, jedenfalls aus Sicht von Lebedew: „Wir haben in Friedrichshafen im ersten Spiel zeitweise glänzend gespielt. Warum soll das nicht wieder gelingen?“

Am Bodensee schottet VfB-Trainer Stelian Moculescu seine Mannschaft allerdings so weit wie möglich von den Planungen der Siegesfeier ab. Sie sollen möglichst wenig davon mitbekommen. Und im Übrigen, wenn Lebedew mit schlauen Sprüchen kommt, kann er das auch. „Wir müssen nicht auf der Brücke stehen bleiben“, sagt Moculescu, „wir müssen über die Brücke gehen.“ Frank Bachner

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