Sport : Frings und der Frust

Werders Kapitän kritisiert nach der 2:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg seine Kollegen

Frank hellmann[Bremen]

Nicht ein einziges Mal haben die Werder-Profis in diesem Jahr den Bremer Freimarkt besucht. Ein Auftritt beim größten Volksfest des Nordens ist eigentlich Tradition beim wichtigsten Sportverein der Stadt, doch die herbstliche Terminhatz ließ dafür einfach keinen Raum. Andererseits bietet die Mannschaft derzeit auch keine Anlässe zum Feiern. Die 2:3 (1:1)-Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg manifestiert einen neuen Tiefpunkt eines instabilen Ensembles, das keinerlei Konstanz in seine Auftritte bringt. Schlimmer noch: So offenkundig zerfiel das wacklige Werder-Gebilde gegen forsche Franken, dass Kapitän Torsten Frings Alarm schlug: „Einige Spieler kapieren nicht, was es heißt, für Werder Bremen zu spielen. Einige fahren nach Hause und haben gute Laune. Keiner macht sich einen Kopf, was es bedeutet, solch eine Chance liegen zu lassen.“

Der fast 34-Jährige geißelte nicht zum ersten Male die Einstellung der Kollegen. „Man kann nicht die ganze Woche auf superlässig machen und dann so ins Spiel gehen.“ Der Kapitän nahm damit wohl vor allem einen aufs Korn: Marko Arnautovic, den provokanten Grenzgänger, der sich nach dem Pokal-Aus bei den Bayern auch gegen die Nürnberger als schludriger Chancenverwerter hervortat. Aber auch der nach einer Einwechslung lethargische Aaron Hunt, der nach seinem schnellen Führungstor völlig untertauchende Hugo Almeida oder der viel zu oft sinnfrei dribbelnde Marko Marin dürften bei der Grundsatzschelte gemeint sein. „Alle müssen ihr Defensiverhalten ändern. 21 Gegentore sind zu viel“, sagte Frings. Vorstandschef Klaus Allofs, der ja angeblich seinen hoch bezahlten Angestellten schon mal vorübergehend ein halbes Gehalt vorenthielt, wollte diese Vorlage nicht aufnehmen, um verbal nachzulegen. „Natürlich müssen wir diesen Punkt beleuchten, aber die Diskussion führen wir intern.“

Generell herrscht Gesprächsbedarf, weil auch Trainer Thomas Schaaf nach einer passablen Anfangsphase keine Erklärung fand, warum der klug konternde Club die Partie fast mühelos durch die Tore der beiden Deutsch-Türken Ilkay Gündogan (zwei) und Mehmet Ekici noch drehte. „In der zweiten Halbzeit haben wir grausam gespielt, da hat nichts mehr funktioniert“, kritisierte Schaaf. „Wir haben gefühlt keinen Zweikampf mehr gewonnen.“ Die Saisonziele drohen in allen Wettbewerben frühzeitig unerreichbar zu werden. Am Dienstag steht das Schlüsselspiel in der Champions League gegen Twente Enschede an. „Wir schaffen es nur vorübergehend, die Mannschaft an ihre Leistungsgrenze zu bringen“, stellt Allofs ernüchtert fest, „und wenn man sich die Bundesligatabelle ansieht, kann man ja verrückt werden.“

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