Sport : Frisch geföhnt

Deutschland spielt 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina

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Von Stefan Hermanns

Sarajevo. Lange war offen, ob überhaupt gespielt wird. Tagelang hatte es in Sarajevo geregnet, das Spielfeld stand unter Wasser. Fast wäre für die deutsche Fußballnationalmannschaft der Truppenbesuch tags zuvor bei der deutschen Sfor-Soldaten der einzige Höhepunkt ihres Ausfluges nach Bosnien-Herzegowina geblieben. Aber weil so ein gemeinsames Kaffeetrinken verbindet, schickte die Sfor-Truppe einen großen Hubschrauber in der Spielstätte vorbei. Durch den Föhneffekt der Rotoren konnte der vergleichsweise hochstehende Rasen halbwegs vom Wasser befreit werden. Die deutschen Fußballer waren weniger effektiv. Sie trennten sich im fast leeren Olympiastadion 1:1 (1:0) gegen den 83. der Fifa-Weltrangliste.

Nach 20 Spielminuten werden sich die uniformierten deutschen Hilfskräfte gefragt haben, ob es denn gut war, hier geföhnt zu haben. Bosniens Stürmer Baljic hatte Oliver Kahn überwunden und zum 1:0 getroffen. Deutschlands Abwehrchef Carsten Ramelow hatte einen weiten Abschlag von Torwart Tolja direkt auf Salihamidzic geköpft. Der Bosnier, der sonst beim FC Bayern München spielt, hatte Baljic hervorragend bedient. Teamchef Rudi Völler hatte vor dem Spiel gegen den 74. Gegner einer deutschen Nationalmannschaft seit 1908 den Ausgang desselben zwar als „zweitrangig“ bezeichnet, doch so hatte er sich das Ganze nicht vorgestellt. Natürlich fehlten Stammspieler wie Neuville, Ballack, Hamann und Metzelder, und natürlich experimentierte Völler, aber dass sich altgediente Kräfte wie Ramelow oder Wörns und Talente wie Borowski oder Freier, der später ins Spiel kam, so schwer tun würden, damit konnte niemand rechnen. Torsten Frings etwa schoss einen an Carsten Jancker verursachten Foulelfmeter über das Tor. Was die Sache nicht besser machte: Der Elfmeter blieb die einzige Gelegenheit für die Deutschen in der ersten Halbzeit.

Nach der Pause wurde das Spiel der Deutschen dank der Hereinnahme von Bernd Schneider und Arne Friedrich etwas besser. Der lange Jancker war es, der eine Flanke von Sebastian Kehl in abseitsverdächtiger Position zum Ausgleich verwandelte. Viel mehr war nicht.

In einem weitgehend ereignisfreien Spiel setzte sich der Schiedsrichter noch am meisten in Szene. Der Italiener de Santis hatte nach einer gewöhnlichen Rangelei die beteiligten Wörns und Salihamidzic vom Feld geschickt. Beide Spieler sind zumindest für das nächste EM-Qualifikationsspiel ihrer Länder gesperrt. Für die Bosnier ein schlimmerer Verlust als für die Deutschen. Aber wenn das Spiel in Sarajevo als Vorbereitung auf das EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gewesen sein soll, steht Schlimmes zu befürchten. In Hannover geht es gegen die Färöer. Und die haben neulich schon Schottland und Berti Vogts schlecht aussehen lassen.

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