Sport : Frisch im Wasser

Frank Bachner

Ralf Beckmann lebte von seinem Ruf als Charismatiker. Er konnte Konflikte mit seiner einfühlsamen und trotzdem konsequenten Art lösen. Deshalb befürchteten viele Athleten und einige Trainer nach dem Rückzug des Sportdirektors des Deutschen Schwimmverbands die große Leere am Beckenrand. Aber viel spricht dafür, dass Örjan Madsen, der am Wochenende vorgestellte Nachfolger von Beckmann, die Lücke optimal ausfüllt, ja dass er sogar Impulse seines Vorgängers noch verstärkt.

Madsen will endlich das starre Denken aufbrechen, in dem viele Schwimmtrainer noch verhaftet sind. Da gilt eine monatelange Wettkampfvorbereitung immer noch als modern, während andere Nationen längst anspruchsvolle Wettkämpfe als Härtetests schätzen. Mit dem Ergebnis, dass ihre Athleten psychisch stärker sind als die deutsche Konkurrenz. Madsen kann nun dank seiner unaufgeregten Art das deutsche Schwimmen an die Trainingsmethoden anderer Verbände heranführen.

Bis jetzt scheitert dieser Informationsaustausch noch oft genug an kleinkarierten Eitelkeiten. Schon Ralf Beckmann hatte versucht, die verkrusteten Strukturen zu durchbrechen, aber Madsen hat gegenüber seinem Vorgänger den Vorteil, dass er schon Erfahrungen außerhalb des Schwimmens gesammelt hat. Das dürfte ihm Akzeptanz einbringen. Und es sichert ihm die Fähigkeit, stets für Neues aufgeschlossen zu sein. Madsen ist jetzt 59 Jahre alt, aber er kommt mit seinen Gedanken verdammt jung daher.

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