Sport : Frische Zuversicht

Marcelinho will mit Hertha BSC wieder in die Champions League

Friedhard Teuffel[Walchsee]

Seitdem er vor drei Jahren aus Brasilien gekommen ist, ist Marcelinho ein richtiger Berliner. „Ich führe ein sehr gutes Leben. Berlin ist meine zweite Heimat geworden“, sagt der 29-Jährige. Doch so sehr er sich an das Leben in der neuen Welt gewöhnt hat, eines kann er immer noch nicht lassen: von großen Zielen zu reden. „Wir haben eine qualitativ bessere Mannschaft und können unter die ersten drei kommen“, übersetzt Herthas Dolmetscher Alcir Perreira für den Brasilianer. Auf die Nachfrage, ob er Hertha tatsächlich die Qualifikation zur Champions League zutraue, antwortet Marcelinho auf Deutsch: „Ja.“

Da ist es also wieder, das Ziel, das der gesamte Verein in der vorigen Saison hassen lernte. Vor der vergangenen Runde hatten sich die Spieler im Trainingslager zusammengesetzt, über ihre Ambitionen beraten und schließlich verkündet: „Wir wollen in die Champions League.“ Das ist Spielern, Trainern und der Vereinsführung im Verlauf der Saison hundertfach vorgehalten worden. Je tiefer die Mannschaft in den Abstiegskampf geriet, desto häufiger holten Journalisten das Saisonziel hervor und desto mehr machten sich die Gegner über sie lustig. Das soll nicht wieder vorkommen. Das demokratisch bestimmte Saisonziel gibt es nicht mehr, Manager Dieter Hoeneß und Trainer Falko Götz haben festgelegt: Hertha strebt einen einstelligen Tabellenplatz an.

Marcelinho aber hat sein eigenes Saisonziel, und das liegt daran, dass er nicht strategisch denkt. Es wäre ihm zu viel, auch noch die öffentliche Meinung zu berücksichtigen und die Ansprüche, die aus dem Streben nach der Champions League entstehen. Da ist Marcelinho wie ein kleiner Junge, der nach seinem Berufswunsch gefragt wird und sagt: Nationalspieler.

Doch Marcelinho hat auch gute Gründe, wieder zuversichtlich zu sein. Diese Gründe sind in seiner unmittelbaren Umgebung zu finden. Neben ihm werden im offensiven Mittelfeld der Brasilianer Gilberto und der Türke Yildiray Bastürk spielen. „Ich werde mehr Chancen haben, meine Technik zu zeigen und aufs Tor zu schießen“, sagt Marcelinho.

Darüber ist er sehr erleichtert, denn in der vergangenen Saison trug er schwer an seiner Verantwortung. Das Spiel sollte auf ihn zugeschnitten werden. Aber Marcelinho brach sich gleich im ersten Spiel den Fuß, fiel sieben Spiele aus, und als er wieder zurückkam, steckte die Mannschaft längst in der Krise. Die Gegner stellten sich immer besser auf ihn ein. Bewachten sie Marcelinho gut, kam Hertha kaum ins Spiel. Nun soll alles besser verteilt sein. „Jetzt gibt es mehr wichtige Spieler“, sagt Marcelinho. Seinen neuen Kollegen Gilberto versucht Marcelinho im Trainingslager in Tirol auch so gut wie möglich einzuführen: „Ich versuche ihm den Rhythmus im deutschen Fußball zu erklären, dass man viel laufen muss und immer in Bewegung ist.“

So wandelt sich seine Rolle. Auf dem Platz hat er etwas weniger Verantwortung, dafür übernimmt er neue Aufgaben wie die Integration Gilbertos. Er werde ihm noch raten, immer pünktlich zu sein und kein Training zu versäumen, sagt Marcelinho. Dass vom Verein auch Zurückhaltung beim Saisonziel gefordert wird, das wird er Gilberto sicher nicht verraten.

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