Sport : Frisches Geld für Hertha

Investmentbanker Schechter bietet Bundesligisten Anleihen an

Dieter Hintermeier,Udo Rettberg

Von Dieter Hintermeier

und Udo Rettberg

Frankfurt/Main. Dass die Fußball-Bundesliga ein Finanzproblem hat, hat sich bis zu jedem Fan auf der Stehplatztribüne herumgesprochen. Dortmunds Aktie ist kaum noch etwas wert, Schalke hat bereits zukünftige Zuschauereinnahmen verpfändet. Um an frisches Geld zu kommen, interessieren sich viele Vereine für Anleihen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) denkt sogar über die Ausgabe eines Bonds nach. Bonds sind öffentliche Anleihen, die private Anleger zeichnen können. Mit ihnen könnten sich die Klubs kurzzeitig Finanzmittel beschaffen. „Hätte die DFL die Hoheit über solch einen Finanztopf, könnte sie ihre Machtfunktion, auch gegenüber den großen Vereinen, ausbauen“, sagt Björn Bloching von der Unternehmensberatung Roland Berger. Innerhalb des Verbandes ist der Plan allerdings umstritten. „Wir wissen nicht, ob unsere Aufgabe darin liegen sollte, Aufgaben einer Bank zu übernehmen“, sagt DFL-Geschäftsführer Christian Müller.

Eine der wichtigsten Figuren in der Fußball-Finanzszene ist Stephen Schechter. Der amerikanische Investmentbanker hat zuletzt zahlreichen englischen Klubs mit Anleihen geholfen. In Deutschland erregte er im vergangenen Jahr bei Schalke mit einem 85-Millionen-Bond Aufsehen. Schechter will jetzt auch bei anderen Vereinen einsteigen. Sein jüngster Kandidat: Hertha BSC. „Schechter ist mit einem Angebot auf uns zugekommen“, bestätigte Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller dem „Handelsblatt“. Einer Anleihe stehen die Verantwortlichen des Klubs offen gegenüber. „Wenn ein Verein Investitionsbedarf hat, ist die Aufnahme einer Anleihe ein legitimes Mittel“, sagt Schiller.

Bei Bayern München scheint Schechter mit einem Anleihe-Angebot von 75 Millionen Euro dagegen abzublitzen. Der Vorstand von Karl-Heinz Rummenigge findet das Angebot offenbar nicht lukrativ. Schechters Anleihe sollte bei der Arena Stadion GmbH platziert werden, die für 300 Millionen Euro Münchens neue Fußball-Arena baut und an der der FC Bayern und Stadtrivale 1860 je zur Hälfte beteiligt sind. Im Gegensatz zu den Münchnern denkt Borussia Dortmund stark über eine Anleihe nach, um mit dem Erlös Investitionen ins Westfalenstadion und in ein Trainingszentrum zu tätigen. Im Gespräch sind zwei Tranchen in Höhe von je 35 Millionen Euro. Die Investoren verlangen Sicherheiten, in aller Regel die Zuschauereinnahmen. Schalke hat es so praktiziert und zahlt bis 2025 einen jährlichen Schuldendienst von 7,5 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf.

Gegen die Verpfändung von Zuschauereinnahmen haben Finanzexperten wenig einzuwenden. „Eine Anleihe macht für Fußballvereine zurzeit mehr Sinn als ein Börsengang“, meint Georg Stadtmann von der privaten Hochschule für wissenschaftliche Unternehmensführung in Koblenz. Wichtig sei aber, dass das Geld sinnvoll investiert werde. „Dazu gehören Investitionen in die Stadion-Infrastruktur oder in ein Fußball-Internat“, sagt Stadtmann. Für bedenklich hält er dagegen Investitionen in Spieler oder eigene Fernsehsender. Ähnlich argumentiert Thilo Hasler, Analyst der Hypo-Vereinsbank: „Den Vorteil einer Anleihe sehe ich darin, dass der Klub seinen Schuldendienst auf einen Gläubiger vereinen kann.“ Unternehmensberater Bloching mahnt dagegen zur Vorsicht: „Da die Einnahmenströme der Klubs großen Schwankungen unterworfen sein können, sollten sie kleine Anleihen-Tranchen zu wählen.“ Bloching plädiert dafür, dass sich mehrere Vereine zusammenschließen und eine Anleihe auflegen. Das käme dem von der DFL diskutierten Konzept nahe. HB

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