Sport : Frisches Geld für teure Spielzeuge

Golfprofi Westwood war dem Luxus verfallen – jetzt kehrt er triumphal zurück

Petra Himmel[Dubai]

Wenn Chubby Chandler, Manager von Lee Westwood, nicht so recht weiß, was er am Wochenende machen soll, greift er zum Telefonhörer und fragt bei Westwood an, ob er nicht zu ihm nach Worksop kommen kann. Bei keinem anderen seiner Klienten findet der Brite einen ähnlich gut ausgestatteten Freizeitpark vor: Go-Kart-Bahn, Pools, Putting- und Chipping Grün, Autos jeder Art. Das ganze Westwood-Anwesen verteilt sich auf einem halben Hektar Land, weshalb nicht ganz klar ist, ob der Ort Worksop mit seinen knapp 40 000 Einwohnern nun Teil des Westwood-Anwesens ist oder eher umgekehrt.

Inwieweit diese britische Version der Jackson-Neverland-Ranch nach diesem Sonntag eine Erweiterung findet, ist noch unklar. Fest steht allerdings, dass Westwood über reichlich liquide Mittel für mögliche Baumaßnahmen verfügt. Nach vier nahezu fehlerfreien Runden Golf von 66, 69, 66 und 64 Schlägen erlebte der 36-Jährige am Sonntag abend die größte Zahlstunde seiner 16-jährigen Karriere. Zuerst bekam er den Pokal für den Gewinner der Dubai World Championship überreicht, anschließend noch die Trophäe für den Sieger des so genannten Race to Dubai, wie die Geldrangliste der PGA European Tour in diesem Jahr erstmals heißt. Mit den beiden Trophäen war ein Bonus von 2,75 Millionen Dollar verbunden „Das war definitiv das beste Golf meiner Karriere“, befand er selbst am Schluss seiner vierten Runde.

Die Belohnung hat er sich verdient. Dem Briten ist nämlich ein Comeback gelungen, an das wenige Insider glaubten. Schon einmal, im Jahr 2000, war er Europas Nummer 1, Viertbester der Welt, hatte in einer Saison mehr als drei Millionen Euro verdient. Westwood verlor sich danach im Luxus. Kleine Ausflüge auf die Bahamas, schnelle Autos, erstklassiger Wein, mehr Interesse am Fußball denn am Golftraining. Er wurde dick, beendete die Saison 2002 an Position 75 in Europa, wurde in der Weltrangliste nicht mehr unter den Top 250 geführt. Vor zwei Jahren dann hatte Westwood genug von der Mittelmäßigkeit, arbeitete am Comeback. Am Montag wird er auf Rang 4 der Weltrangliste geführt, als bester Europäer.

Für seine drei Konkurrenten im Kampf um den Titel beim Race to Dubai ähnelten die vier Tage auf dem Earth Course von Jumeirah Estates in Dubai einem Knock- Out. Westwood führte das Feld von Runde 1 an, allein Rory McIlroy, der am Ende Platz zwei im Race to Duabi und Rang drei bei der Dubai World Championship belegte, hielt noch zeitweise mit. „Wenn Lee so Golf spielt wie hier, ist er eine Klasse für sich“, gestand der 20-Jährige zu. Ross Fisher und Martin Kaymer, vor Beginn des Turniers auf Rang vier und drei im Race to Dubai platziert, waren im Rennen um den Titel schon nach zwei Runden abserviert. „Na ja, ich bin hier mit ziemlich viel Hoffnung angekommen, aber irgendwie ist die ganze Woche nicht so richtig für mich gelaufen“, sagte Kaymer. Für ihn waren die vier Tage von Dubai eher ein stetiger Kampf um Putts und Pars, denn ein erfreulicher Saisonabschluss. Den will der 24-Jährige jetzt nachholen. „Nächste Woche fahre ich zum World Cup. Das wird sicherlich gut, weil ich wieder mit Alex Cejka spiele.“

Wie gut sich Kaymer in seiner vierten Profisaison international etabliert hat, beweist aber die Tatsache, dass er vom World Cup in China nach Los Angeles reist, weil ihn Tiger Woods zur Chevron World Challenge im Sherwood Golf Club eingeladen hat. Das elitäre Feld der Veranstaltung besteht aus gerade einmal 18 Spielern, entweder Major-Champions oder Mitglieder der Top 20 der Weltrangliste. Gespielt wird um 5,75 Millionen Dollar. Die Einladung von Tiger Woods versteht Kaymer als Auszeichnung, vor diesem Hintergrund fällt seine Bilanz der Saison 2009 sehr positiv aus. „Wenn man alles zusammenzählt, hatte ich eine gute Saison, wurde Dritter beim Race to Dubai. Ich sehe selbst, dass ich mich jedes Jahr verbessere. Ich bin sehr zufrieden.“

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